Im Netz der Erwerbsregeln

Sonntag, 9. Mai 2004, 17.19 Uhr

Beim Kampf gegen Spam hat eine Strategie in den letzten Wochen viele Anhänger gefunden. Der Vorschlag nämlich, die DNS-Einträge so zu erweitern, dass ein Empfänger problemlos ermitteln kann, ob die Absenderadresse und die benutzten Server zusammen passen. Tun sie das, handelt es sich um eine legitime Mail, tun sie das nicht, wurde die Absenderadresse gefälscht. Damit wäre den Spammern, die bislang davon leben, dass eine Absenderüberprüfung im Mailprotokoll nicht vorgesehen ist, wirkungsvoll der Boden unter den Füßen weg gezogen. Gleich drei offene Standards werden derzeit bei der IETF diskutiert (SPF, RMX und DMP). Zwar gibt es noch Rangeleien um die Details, aber am Ende wird wie immer ein Kompromiss stehen, von dem das gesamte Internet profitiert. Doch mit dem Netz als Verbund aus offenen Standards und Kompromissen könnte es bald vorbei sein, schließlich haben sich die irdischen Ferengi in Redmond an ihre heiligen Erwerbsregeln erinnert und sich, getreu der Regel Nr. 9 – »Opportunity plus instinct equals profit« –, daran gemacht, den Kampf gegen Spam als neuen, monopolisierbaren Markt zu erschließen. Wofür man sich zuerst bei den Konzepten der bisherigen Vorschläge bediente (Nr. 52: »Never ask when you can take«), diese mit dem eher irrigen, aber griffigen Namen »Caller-ID for E-Mail« versah (Nr. 239: »Never be afraid to mislabel a product«), zum Patent anmeldete und den ehemals offenen Standard als bei Microsoft lizenzierbare Technik vorstellte: »Anything worth doing is worth doing for money« (Regel Nr. 13). Der Große Nagus wäre stolz.

Zuerst in: Internet Professionell, 5/2004