Im Reich des roten Panda

Sonntag, 27. Februar 2005, 20.35 Uhr

Seit einiger Zeit sorgt ein possierliches Tierchen im Internet für Aufsehen: der rote Panda, oder, wie er im angelsächsischen Raum genannt wird: der »Firefox«. Der nämlich ist Wappentier und Namensgeber eines neuen Webbrowsers, der es erstmals geschafft hat, das scheinbar auf ewig fest gefügte Machtverhältnis im Internet zu erschüttern. Während andere Browser wie Opera oder Netscape es im Kampf gegen die Marktmacht von Microsofts Internet Explorer nur zu Achtungserfolgen brachten, konnte der flinke Feuerfuchs Microsoft bereits merklich Marktanteile erobern.

Welche Verbreitung Firefox im Internet hat, lässt sich zwar nicht exakt ermitteln – seriöse Schätzungen gehen von rund fünf Prozent aus, Tendenz steigend – doch sicher ist, dass der Browser ein phänomenaler Erfolg ist. Seit der offiziellen Freigabe Anfang November wurde er bereits über 25 Millionen Mal herunter geladen. Sicher ist auch, dass der Marktanteil des Internet Explorers sinkt – nach einer Studie von Webside-Story im letzten Monat um rund 1,5 Prozent.

Für den Einsatz von Firefox sprechen mehrere Gründe. Das Programm ist nicht nur kostenlos und wartet mit technischen Finessen auf, die den Internet-Alltag deutlich erleichtern, es ist auch sehr schnell, sparsam im Platz- und Speicherverbrauch und, nicht zuletzt, sicherer als der Internet Explorer, auf dessen Fehler und Lücken sich die Virenprogrammierer weltweit eingeschossen haben.

Firefox ist das Produkt eines Gemeinschaftsprojekts im Internet, zu dem sich Hunderte Programmierer mit dem Ziel zusammengeschlossen haben, in ehrenamtlicher Arbeit den bestmöglichen Browser zu gestalten – und um es dem ungeliebten Monopolisten Microsoft mal so richtig zu zeigen.

Beide Ziele hat man erreicht, Firefox ist der derzeit beste Browser und Microsofts Position ist zumindest so weit erschüttert worden, dass der Konzern reagierte und überraschend eine neue Version des Internet Explorers ankündigte, der seit Jahren praktisch unverändert geblieben ist und dessen Entwicklung bereits offiziell für beendet erklärt wurde.

Einer der großen Pluspunkte von Firefox ist seine fast grenzenlose Erweiterbarkeit durch so genannte »Extensions«. Das sind kleine Module mit denen das Leistungsspektrum des Browser nahezu beliebig erweitert werden kann. Über 200 solcher Extensions können von den Webseiten des Projekts herunter geladen werden und täglich werden es mehr. Schließlich kann jeder, der will, den Browser um bislang vermisste Feature erweitern.

Die Palette reicht hier von einfachen Ergänzungen wie »AutoCopy«, das einen Text, den der Anwender auf einer Webseite markiert, automatisch in die Zwischenablage befördert, über »DictionarySearch«, mit dem man Begriffe auf Webseiten in Online-Wörterbüchern nachschlagen kann bis hin zu »Adblock«, das Anzeigen auf Webseiten wirkungsvoll unerdrückt.

Die Installation der Extensions ist denkbar einfach und mit wenigen Mausklicks erledigt. Allerdings hat die Sache auch einen kleinen Haken. Während Firefox in verschiedenen Sprachen vorliegt, sind fast alle Extensions nur auf englisch zu haben und auf Erklärungen oder gar Dokumentationen muss man ebenfalls verzichten. Kleiner Trost: Die meisten Extensions praktisch selbsterklärend oder nach kurzem Ausprobieren verständlich.

Bill Gates hat die erste Beta des neuen Internet Explorers für den Sommer angekündigt: Bis es soweit ist, haben die Netznutzer noch viel Gelegenheit, das Reich des roten Pandas zu erkunden.

Zuerst erschienen in: Sonntagsblick Magazin (CH), 27. Februar 2005


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