Inception (2010)

Montag, 2. August 2010, 19.10 Uhr

Wenn man nur noch selten ins Kino kommt, dann wird man wählerisch und sucht sich die Filme sorgfältig aus. Dann geht man zum Beispiel in Inception. Christopher Nolan und Leonardo DiCaprio, ein ausnehmend positives Echo in der Presse, neugierig machende Trailer – was soll da schon schief gehen?

Kurz gesagt: Alles.

Zwar bietet der Film zum Teil umwerfende Bilder und rund 30 Minute der zweieinhalb Stunden können einen tatsächlich fesseln. Doch dagegen steht eine ebenso simple wie langatmige Story, in der ein unterforderter DiCaprio mit zerquältem Gesicht durchs Bild stolpert.

Der reine Plot hätte ja was werden können, aber Nolan hat für die Geschichte der Traumdiebe tief ins Nähkästchen der Banalpsychologie gegriffen, mit Schuld und Komplexen überfrachtet und zum Teil wirklich kreuzdämliche Allerweltsdialoge geschrieben, die je alberner werden, je bedeutungsvoller sie sich geben.

Sonderlich originell ist der Film leider auch nicht, dergleichen hat Philipp K. Dick schon vor 40 Jahren durchdekliniert. Und bei Dick ist es dann tatsächlich so, wie es einem die Kritiker von Inception versprechen. Bei Dick wird dem Leser nachhaltig der Boden unter den Füßen weggezogen – Nolan tut nur so als ob. Es ist bei Inception eigentlich keine Minute wirklich fraglich, auf welcher Erzähl- bzw. Realitätsebene man sich gerade befindet. Wo die Rezensenten da Verstörung und Unsicherheit ausgemacht haben ist mir schlechterdings schleierhaft.


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In der letzten Minute ist und bleibt es fraglich – und unerheblich! Das ändert aber nichts daran, dass Du einfach Recht hast: Der Film ist gemessen an der Aufregung, die um ihn herum veranstaltet wird, eine Enttäuschung.

Ich fand das Ende ziemlich eindeutig. Ohne zuviel zu verraten: man vergleiche die Aufnahme des äh Talismans mit den vorherigen Aufnahmen, deren Realitätsstufe ja eindeutig war. Deutlicher Unerschied! — Das Ende ist ungefähr genauso offen wie die Frage, ob Rosemarys Baby nun vom Teufel stammt oder nicht. Natürlich tut es das, das ist doch keine Sekunde fraglich.

Aber jetzt hoffe ich auf Toy Story 3. Pixar hat mich noch nie enttäuscht 😎

noribori schrieb am 6. August 2010, um 17.03 Uhr

Ich hab den Film ja nicht gesehen, aber vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen hier, dass ein paar Leute die Inspiration für „Inception“ auf einen Uncle Scrooge (Onkel Dagobert) Comic von Don Rosa zurückführen ( via http://www.davidbordwell.net/blog/?p=9692).
Die betreffende Don Rosa Story, “The Dream of a Lifetime!”, gibt es auch online: http://disneycomics.free.fr/Ducks/Rosa/show.php?num=1&loc=D2002-033&s=date

Ja, die Donald-Geschichte ist teilweise schon recht ähnlich – inklusive der Methode, wie man den Schläfer im Notfall weckt. Ich glaube aber nicht, dass Nolan sich davon hat inspirieren lassen, eher schon, dass es eine gemeinsame Vorlage für Comic & Film gibt. Es sollte mich wundern, wenn das nicht auch schon bei Philipp K. Dick und anderen SciFi-Storys auftaucht.