Dnevnoy dozor / Wächter des Tages (2006)
Montag, 11. August 2008, 1.02 Uhr | Giesbert Damaschke
Beim ersten Teil Nochnoy dozor / Wächter der Nacht (2004) ging ich mit großen Erwartungen ins Kino und wurde enttäuscht. Der Film schien mir seine immer blöder werdenden Geschichte vom ewigen Kampf von Gut gegen Böse nicht nur wirr und langatmig zu erzählen, sondern auch sein Budget für allerlei tricktechnische Spielereien zu verpulvern und gleichzeitig plumpstes product placement zu betreiben. (Das mit dem product placement stimmt immer noch, aber beim Rest bin ich mir nicht mehr sicher.)
Entsprechend niedrig waren meine Erwartungen bei der Fortsetzung. Doch dieses Mal wurde ich aufs angenehmste überrascht. Die Story ist immer noch nicht sehr viel besser, es ist immer noch eine bombastisch überbordende Bilderflut, deren narrativer Sinn sich durchaus nicht immer erschließt – doch dieses Mal hat mir die »urban fantasy« sehr gefallen.
Vielleicht lag es daran, dass ich mir den Film nach kurzem Zögern auf Russisch mit deutschen Untertiteln angesehen habe. Der fremde und mir völlig unverständliche Silbenfall passte sehr stimmig zu den Bildern des verschneiten Moskaus, verlotterter Wohnungen und heruntergekommener Autos (nichts in diesem Film strahlt Glamour oder Luxus aus und selbst die aufgedonnerten Nachtschwärmer wirken einfach nur billig). Hier war das, was mich am ersten Teil gestört hatte, plötzlich ein homogenes, überzeugendes Ganzes mit einer sehr eigenen, eigenartigen und überhaupt nicht aufgesetzten Stimmung.
Der Film schließt nahtlos an Nochnoy dozor an und wer den nicht kennt, wird mit diesem hier überhaupt nichts anfangen können. Beide Filme erzählen eine zusammenhängende, in sich schlüssige Geschichte und sollten entsprechend nacheinander gesehen werden – auch wenn rund fünf Stunden für ein »blutiges, russisches Märchen« (so wurde der Film im Making of genannt) vielleicht ein wenig lang sein mögen.
Ich werde mir Teil 1 wohl noch einmal ansehen müssen. Auf Russisch, mit Untertiteln.





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