Etwas zu Neil Young und Bob Dylan
Montag, 22. Juni 2009, 14.49 Uhr | Giesbert Damaschke
Meine etwas grummeligen Eindrücke zum Neil-Young-Konzert waren wohl ein wenig missverständlich, zumindest scheint mir der Kommentar von Willy Zantzinger darauf hinzudeuten, weshalb ich vielleicht noch einmal ein paar mehr oder weniger ungeordnete Worte machen sollte.
Ich bin, dass ich’s nur gestehe, kein großer Neil-Young-Kenner, geschweige denn -Fan, und mein Lieblingsalbum ist immer noch After the goldrush (just im Moment läuft Harvest). Als ich nach langer Abstinenz mal wieder eine neue Platte von ihm hörte – Living with War – war meine erste Reaktion: Hey, das klingt ja wie vor 30 Jahren. Es bzw. er hat mich nie genug gereizt, dieses erste und vielleicht ungerechte Urteil zu überprüfen und also habe ich Neil Young da hingesteckt, wo sich auch David Crosby, Graham Nash und Steven Stills befinden: in die Ecke mit liebgewonnenen Jugenderinnerungen, denen man in einer sentimentalen Stunde ein wenig Platz einräumt, deren aktuelles Schaffen aber keinen oder keinen nennenswerten Einfluss mehr auf das eigenen Leben hat.
Ich schätze sehr den sagenwirmal: akkustischen Neil Young, als Rock’n’Roller hat er mich nie so recht überzeugt. Was aber wohl daran liegt, dass ich selbst kein Rock’n’Roller bin und meine musikalischen Präferenzen beim Blues, Jazz und der Klassik liegen.
(Nebenbei: Mein beeindruckenstes Rythm&Blues-Konzert erlebte ich vor einigen Jahren mit den Pretty Things, damals fast noch in Original-Besetzung, im Münchner Metropolis. Ich habe Hootchie Cootchie Man selten so brillant gehört wie an diesem Abend.)
Vielleicht war ich damit für ein Neil-Young-Konzert denkbar schlecht gerüstet, und ich selbst wäre auch nicht so ohne weiteres auf die Idee gekommen, 80 Euro für eine Karte auszugeben, hätte mich nicht ein Freund mit dem starken Argument überredet, dass er die Karten zahlt (ich habe dann noch einen mir lieben Menschen eingeladen und war also gewissermaßen mit 40 Euro dabei).
Es fing schon enttäuschend mit einer eher schlechten Vorgruppe an, die übersteuert und überlaut den üblichen Pubertätsmatsch derjenigen präsentierten, die glauben, auch noch mit 60 die Art von Musik machen zu können, die sie mit 25 schon nicht beherrschten.
Insofern war ich bereits missmutig, als Neil Young endlich auf die Bühne kam – und meine Laune besserte sich nicht wirklich. Es sprang kein Funke über, nichts nahm mich wirklich mit und es blieb nach jedem Song ein fader Nachgeschmack von „ganz ok“.
Nun kann der hohle Klang beim Zusammenprall von Buch und Kopf bekanntlich durchaus auch am Kopf liegen: das gilt, mutatis mutandis, natürlich auch für Musik und Zuhörer. Es ist auch denkbar, dass ich mich doch noch von dem Konzert hätte mitreißen lassen können, wäre ich nicht nach 8 Songs gegangen – aber: the deed is done.
Was His Bobness angeht, den mir Willy Zantzinger als Beispiel für einen Künstler vorhält, der es ebenfalls nicht so mit der Publikumsansprache hat, so liegt der Fall hier gänzlich anders. Hier bin ich auch zwar weit davon entfernt, mich als „Kenner“ bezeichnen zu wollen, aber er ist für mich von entschieden goßer Bedeutung.
Ein Dylan-Konzert folgt einem festen, eigensinnigen Ritual. Nämlich: keine Vorgruppe, pünktlicher Beginn und eine Ansage, die mit „Ladies and Gentlemen, Columbia recording artist: Bob Dylan!“ endet. Während des Konzerts hält sich Dylan im Hintergrund, steht meist fast abseits am Rand und agiert gewissermaßen als eine Deus-Absconditus-Variante: Er ist so unüberhörbar allgegenwärtig, dass er sich nicht zeigen muss. (Allerdings scheint er das Ritual in der letzten Zeit ein wenig zu ändern und wieder mehr im Mittelpunkt stehen zu wollen.)
Dylan ist eine Ausnahmeerscheinung, dessen Werk und musikalische Entwicklung zum Faszinierendsten gehört, was die populäre Kultur hervorgebracht hat. Er hat es verstanden, sich stetig und mit großer Wahrhaftigkeit zu entfalten, ohne dass sein Werk in einer bestimmten Phase stecken geblieben oder gar das Ältere vom Neuen verraten worden wäre. Weshalb er auf Konzerten problemlos Früh- und Spätwerk mischen kann, ohne dass es zu einem Bruch käme.
Dies rasch dazu.






Ihr Kommentar
2 Kommentare zu Etwas zu Neil Young und Bob Dylan
Markus Kolbeck schreibt:
22. Juni 2009, um 20:21
Das ist gut, dich auch als Bluesfan zu wissen. Ich bin als 12-Jähriger dem Blues verfallen und seitdem treu geblieben.
Klaus Nolting schreibt:
25. Juni 2009, um 8:18
<<Ich schätze sehr den sagenwirmal: akkustischen Neil Young…
Ich auch, und empfehle COMES A TIME (1978) als Ergänzung zu GOLDRUSH und HARVEST!