Finger weg von der „Red Cliff“-DVD!

Mittwoch, 3. März 2010, 19.53 Uhr | Giesbert Damaschke

Gestern habe ich mir John Woos hochgelobten Film „Red Cliff“ angesehen. Versprochen wird ein bildgewaltiges, wuchtiges Epos aus der chinesischen Geschichte – gesehen habe ich. Hm. Etwas ähnliches.

Der Film (oder genauer: das, was hierzulande auf DVD ausgeliefert wird, dazu gleich mehr) hat hinreißende Szenen, stark stilisierte Tableaus, ungemein wirkungsvolle Einstellungen und vieles mehr, was einen Martial-Arts-Film auszeichnet. Zuerst war ich beeindruckt, wurde aber zunehmend verwirrter. Die Schlachtsequenzen habe ich nie so richtig verstanden, Personen tauchen kurz auf, verschwinden, sind plötzlich wieder da, und die Kampfszenen waren eindeutig geschnitten, was den Bildrhythmus nachhaltig störte.

Ganz kurz ein Beispiel. Da gibt es plötzlich eine Prinzessin, die unbedingt mit in den Krieg ziehen will. Die Männer lachen und reiten davon. Es folgen ein paar Szenen der Schlachtvorbereitung, dann tauchen die feindlichen Truppen auf. Und werden von eben jener Prinzessin mitsamt einer Schar Kriegerinnen in einen Scheinangriff verwickelt und dem eigentlichen Kriegsheer in die Arme gespielt.

Was ist da los? Wie konnte aus der verlachten Prinzessin plötzlich die Anführerin eines kleinen Ablenkungstrupps werden? Eine Antwort erhält man nicht, die Frau verschwindet einfach wieder aus dem Film. Um etwas später als Spionin im gegnerischen Lager aufzutauchen. Noch etwas später ist sie wieder im heimischen Palast angekommen, wo sie von einem Mann, der offensichtlich mit ihr verwandt ist, den ich aber nicht einordnen konnte, erstaunt begrüßt wird: „Was machst Du denn hier?“ Ja, das fragt man sich dann auch.

Alles in allem war ich nach den gut 140 Minuten etwas enttäuscht – gesprungen wie ein Tiger, gelandet wie ein Bettvorleger. Und überhaupt: 140 Minuten ist nicht gerade wenig, aber auch nicht so übermäßig ausufernd, dass man von einem großen Epos reden müsste. John Woo nennt im Gespräch Filme wie „Lawrence of Arabia“ (der es bereits 1962 auf 220 Minuten brachte) als Vorbild – doch von dessen erzählerisch langem Atem schien mir Red Cliff sehr weit entfernt zu sein.

Ich hatte ja keine Ahnung!

Denn das, war hierzulande auf DVD verkauft wird, ist nur ein verstümmelter Rest dessen, was John Woo tatsächlich gedreht hat:

Um “Red Cliff” in den USA in einem Stück vermarkten zu können, ist der Film dort um fast zweieinhalb Stunden auf 148 Minuten gekürzt worden. Besonders krasse Bilder der Gewalt fehlen, darunter auch der Baby-Stunt. Diese gestutzte Version erscheint in Deutschland nur auf DVD […].

Bei der radikalen Kürzung sind ganze Handlungsstränge auf der Strecke geblieben, viele poesievolle und so gut wie alle komödiantischen Szenen. Eine Hauptfigur, die Prinzessin Sun Shang Xiang, taucht bloß am Rande auf. Im Original werden die Hauptfiguren, ihre persönlichen Eigenarten und inneren Konflikte facettenreich porträtiert, in der Kurzfassung erscheinen die Charaktere nur noch skizziert. Woos elaborierte Bildmontagen sind durch harte Schnitte verstümmelt worden.

(Ralph Umard bei Spiegel Online)


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Ihr Kommentar

Ein Kommentar zu Finger weg von der „Red Cliff“-DVD!

SirTristram schreibt:
6. März 2010, um 16:37

Gut zu wissen. Da bleibt einem dann wohl nur der Griff zur Hong Kong Edition mit englischen Untertiteln. Eine instruktive Besprechung gibt’s übrigens hier, samt Bestellink zu http://www.YesAsia.com :

http://www.molodezhnaja.ch/redcliff.htm

http://www.molodezhnaja.ch/redcliff2.htm