Harry Potter und die Spielverderber

Sonntag, 22. Juli 2007, 12.39 Uhr | Giesbert Damaschke

Eigentlich wollte ich den neuen Harry Potter in der nächsten Zeit mal in aller Ruhe lesen. Aber ganz gleich, wohin man kommt, ganz gleich, welche Zeitung man aufschlägt oder welches Internet-Forum man betritt: Überall trifft man auf die Trottel, die es für witzig halten, die Pointen herauszuplärren. Diesem Pöbel kommt man ja nur durch schnelles Lesen zuvor. Da tun mir die Leute leid, die das Buch erst in ein paar Monaten auf deutsch lesen können, bis dahin dürften genügend Details durchgesickert sein, dass sie einem den Spaß verderben können.

Man könnten den Spielverderbern ja aus Jean Paul zitieren, der in der Vorrede zum Hesperus 1795 sieben Bitten formuliert, wovon sich die letzte an die Kritiker richtet und so geht:

Siebente Bitte, die halb aus der zweiten fließet, aber nur die Kunstrichter angeht, mir in ihren fliegenden Blättern, die sie Rezensionen nennen, mit keiner Publikation meiner Hauptbegebenheiten vorzugreifen, sondern dem Leser einige Überraschungen, die er doch nur einmal hat, zu lassen.

Aber das würden die Spielverderber ja nicht verstehen. Verstünden sie es, wären sie keine.

Der Postbote meinte gestern übrigens noch, von diesen Päckchen habe er noch hunderte, das würde ein langer Tag. Ich tröstete ihn mit dem Hinweis, dass das ja noch gar nichts wäre, er solle da erst mal auf die deutsche Ausgabe warten.

“27. Oktober” murmelte er mit fahlem Gesicht und wandte sich ab.


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Ihr Kommentar

Ein Kommentar zu Harry Potter und die Spielverderber

Georg schreibt:
23. Juli 2007, um 9:52

Mir geht es da anders. Ich bin gar nicht gespannt auf die Überraschungen, sondern ich lese die Bücher, weil und wenn sie gut geschrieben sind. Beispiel Arno Schmidt: da sind keine überraschenden Wendungen mehr drin, und dennoch lese ich sie immer wieder.