Neil Young. München, Olympiahalle, 17. Juni 2009
Samstag, 20. Juni 2009, 17.38 Uhr | Giesbert Damaschke
Laut war es, sehr laut sogar – aber das ist halt so bei einem Rockkonzert und wäre allein noch kein Grund gewesen, das zu tun, was ich nach ca. einer Stunde getan habe: das Konzert zu verlassen. Dafür gab es zwei Gründe: die Abmischung. Und leider auch Neil Young selbst.
Zu Beginn war alles noch in Ordnung. Es begann mit einer schwer stampfenden Version von Hey Hey My My, laut zwar, aber klar und deutlich abgeschmischt. Dann kam Mansion on the hill, das schon etwas schlechter klang, es folgten Are you ready for the country? und Everybody knows this is nowhere. Ab dann war es nur noch ein einziger, sehr lauter Klangmatsch. Die folgenden Nummern Pocahontas, Words und Cinnamon Girl habe ich noch ausgehalten, dann zog es mich aus der Halle in den Rauchbereich, wo ein älterer Young-Fan klagte, dass es das schlechteste Konzert seines Idols sei, das er je gehört habe. Die Akkustik soll an anderen Plätzen allerdings besser gewesen sein.
Enttäuschender aber noch als die miese Soundqualität war Neil Young selbst. Er gerierte sich als Schwerstarbeiter an der Gitarre, spielte seine Soli fast immer mit dem Rücken zum Publikum, das weder begrüßt noch adressiert wurde (das hat sich später wohl geändert, aber da war ich schon nicht mehr dabei).
Die rund 30 Jahre alten Songs klangen: fast genau so wie vor 30 Jahren. Keine neuen Aspekte, keine neuen Töne, keine neuen Ideen. Und falls sie doch zu ahnen waren, soffen sie dank der Leute am Mischpult ab.
Neil Young imitierte sich selbst und wirkte wie ein talentierter Neil-Young-Darsteller, der den bekannten Hang, einen Song nicht und nicht enden lassen zu wollen, exzessiv austobte und jeden Schlussakkord miuntenlang zerdengelte.
„So kann man ein Konzert auch füllen“, seufzte meine Begleiterin. Dann gingen wir Richtung U-Bahn.
P.S.: Andere Stimmen zum Konzert und die Setlist gibt es z.B. hier.





Ihr Kommentar
6 Kommentare zu Neil Young. München, Olympiahalle, 17. Juni 2009
Willy Zantzinger schreibt:
20. Juni 2009, um 21:13
Wer schon im ersten Satz über die Lautstärke eines Rockkonzerts lamentiert, sollte sich vielleicht überlegen, ob es nicht besser wäre zur gleichen Zeit zuhause vorm Fernseher zu sitzen. Über die Akkustik kann man geteilter Meinung sein, über die Performance von
Neil Young kaum. Nein, er gerierte sich nicht als Schwerstarbeiter an der Gitarre, er ist es einfach. Zur Sache mit dem Publikum begrüßen: Wer darauf steht Sätze wie “Do you feel alright?” (nach jedem zweiten Song) oder “You are the best audience in the World” serviert zu bekommen möge Bruce Springsteen oder Lionel Richie beehren, andere lassen Ihre Musik sprechen. Ich gebe allerdings zu als Bob Dylan Fan in dieser Hinsicht nicht gerade verwöhnt zu sein, mir ist ein Künstler der durch seine Kunst etwas mitteilt erheblich lieber als einer der durch Routinegequatsche und Worthülsen glaubt seinem Publikum schmeicheln zu müssen.
Der alte Oldenburger schreibt:
21. Juni 2009, um 15:41
Ich weiß gar nicht wer Neil Young ist und sollte mich unsofern heraushalten, aber dieser Passus “Die rund 30 Jahre alten Songs klangen: fast genau so wie vor 30 Jahren. Keine neuen Aspekte, keine neuen Töne, keine neuen Ideen.” hat mich denn doch enttäuscht. Nun, die Geschmäcker und Mentalitäten sind verschieden. Ich bin immer froh, wenn alles (gibt aber kaum noch was …) immer noch so ist wie vor dreißig Jahren. Oder auch vor vierzig oder fünfzig. Das ist ja das Nervige z.B. am Theater, daß sie alle immer meinen irgendwelchen neuen Firlefanz machen zu müssen …
Etwas zu Neil Young und Bob Dylan | Notizen schreibt:
22. Juni 2009, um 14:49
[...] etwas grummeligen Eindrücke zum Neil-Young-Konzert waren wohl ein wenig missverständlich, zumindest scheint mir der Kommentar von Willy Zantzinger [...]
xaver schreibt:
23. Juni 2009, um 22:56
Hallo Obermotzer Gisbert (?)Dama(r)schke.
Du bist ein armseliger Motzer, der sich selbst gefällt, wenn er andere in den Dreck zieht.
Das Konzert war großartig und authentisch, aber sowas scheinst du nicht zu verstehen. Ein Glück, daß die Sopngs fast so klangen, wie vor 20 ? nein: 35 !!! Jahren. Das ist es ja gerade! Die Songs sind nämlich nicht zu verbessern und reißen einen mit,ob vor 35 oder vor 5 Jahren. Mein Tipp: Geh zu Madonna, da kannst du Deine armseligen Ansprüche verwirklichen. Bitte geh nie wieder auf ein N.Y. Konzert. Du bist es nicht wert. Ich krieg das Kotzen, wenn ich Deine beschissenen Zeoilen lese!
Max schreibt:
13. August 2009, um 9:36
Es scheint, Giesbert hatte keine Ahnung, was ihn erwartet als er auf das Konzert ging. Neil ist bekannt dafür, dass seine Konzerte keine Liebeserklärung an das Publikum sind. Wenn man das haben will, sollte man doch lieber zu einem Hansi Hinterseer Konzert gehen.
Wer den “Klangmatsch” nicht verdrägt, sollte auch nicht zu Neil Young gehen. Auch für diese strukturlosen Gitarrensoli sind er und seine Bands bekannt.
Und wenn seine Pocahontas-Version so klang wie vor 30 Jahren, dann habe ich wohl etwas mit meinen Ohren.
Ergo: Das nächste mal besser im Schlafanzug bleiben Giesbert.
Tomas Andersson schreibt:
16. Oktober 2010, um 12:19
Würde mir das immer wieder anschauen, es lohnt sich so gut wie immer