Niebelschütz’ erste Sätze

20. Juni 2010, 11.25 Uhr | Giesbert Damaschke

Wolf von Niebelschütz hat schon einen ganz eigenen Tonfall:

Der Blaue Kammerherr (1949):

Die alten Götter waren tot, jene heiteren, deutlichen und liebenswerten Götter, die man so gern verehrt hatte, weil man wußte, auch in ihren Seelen wohnten der Regungen einige, die den Menschen zu einem Gott und den Gott zum Menschen machten. Sie waren tot, die Popen sagten es .. Aber es war keine Freude bei ihrem Wissen, denn sie sahen, zu ihrem Kummer, daß ein Geist der Weltlichkeit die Inseln der Ägäis durchzog, und mit düsterer Hingabe wühlten die Predigter in den Herzen der Gläubigen, ihnen ein Sünden-Babel zu malen.

Die Kinder der Finsternis (1959):

Es lag ein Bischof tot in einer Mur am Zederngebirge fünf Stunden schon unter strömenden Wolkenbrüchen. Die Mur war hinabgemalmt mit ihm und seinen Karren und seinen Maultieren und seiner Geliebten, unter ihm fort, über ihn hin, als schmettere das Erdreich ihn in den Schlund der Hölle, kurz vor Anbruch der Nacht.

Barbadoro (entstanden 1952; posthum):

Die Elfen schweben über dem Wasser, dachte der Pfarrer, das ist nicht gut. Aberglaube, sagte sein Verstand, er als Gottesmann hatte zu glauben, indessen reimt sich auch Furcht mit Heldentum, wie er von manchem Ritterkreuzträger wußte, der zugab, geschlottert zu haben, bevor ihm die Tat gelang.

Die beiden epochalen Romane Der blaue Kammerherr und Die Kinder der Finsternis wurden übrigens bei Kein & Aber in schönen, gut gesetzten und lesbaren Ausgaben neu herausgebracht. Schade, dass sich niemand zu finden scheint, der den verstreuten Rest des Werks – neben Barbadoro gibt es da noch Gedichte, Dramen, kleine Epen, allerlei Essays und ähnliches, von seinen Brotarbeiten als Gerling-Biograph ganz zu schweigen – sammelt und neu herausbringt.

7 Kommentare |

Eckermann blogt

23. Mai 2010, 18.09 Uhr | Giesbert Damaschke

Nach dem Vorbild des Blogs zum Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe geht ab dem 10. Juni ein Blog zu Johann Peter Eckermanns „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens“ online. Heute bin ich endlich dazu gekommen, Wordpress aufzusetzen und das Layout anzupassen. Ein RSS-Feed kann abonniert werden, vor dem 10. Juni wird es allerdings keine Neuigkeiten geben ;-).

1 Kommentar |

Ruhig hier

25. April 2010, 17.49 Uhr | Giesbert Damaschke

Kuno ärgert sich:

heute ist der 23. april und dieser eintrag vom 30. märz ist der neueste unter notizen …
ich weiß gar nicht, warum ich damaschke.de noch als eine meiner startseiten habe … nicht so viel twittern, twittern ist zu kurz, zu flach oft auch zu blöd

Abgesehen davon, dass ich verwundert bin, dass außer mir noch jemand damaschke.de als Startseite im Browser eingetragen hat, hat Kuno natürlich recht. Zum Teil wenigstens. Dass Tweets „zu kurz, zu flach oft auch zu blöd“ sind, mag für meine Tweet zutreffen, aber nicht für alle.

Zu Twitter vs. Facebook wollte ich immer schon mal was notieren, aber dazu komme ich derzeit nicht. Womit wir bei dem Punkt sind, bei dem Kuno recht hat: Bei den Notizen herrscht in der Tat eine ziemlich Ruhe.

Das liegt allerdings nicht oder doch nur indirekt an Twitter – mir fehlt es schlicht an Zeit. Aktuell arbeite ich an einem Buch zum iPad (ein absolut cooles Gerät, btw), das hat oberste Priorität. Dann muss ich mich dringend um den Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe kümmern und darum, dass die Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens anlaufen.

Es wird also vermutlich auch die nächste Zeit bei den Notizen ziemlich ruhig bleiben. Was nicht heißt, dass mir nicht schon morgen etwas unterkommen kann, das mich zu einem neuen Blogeintrag reizt ;-).

1 Kommentar |

Weiter Sie wollen einen schönen Tag!

30. März 2010, 17.42 Uhr | Giesbert Damaschke

Inzwischen sind Phishing-Attacken sehr professionell geworden. Aber manchmal landen doch noch solche erheiternden Kunststücke im Posteingang:

Sehr geehrter Kunde,

Ihre Sicherheit ist uns sehr wichtig, so bitte nicht, was Sie von uns hören Panik. Am 15. März 2010, jemand neben Ihnen, versucht, mit Ihrem Konto anmelden, scheiterte aber. Zum Schutz loggen Sie sich bitte über Ihr Konto. Sie können den folgenden Link: […]

Wir möchten daran erinnern, dass Ihre Daten sicher und unter Polizeischutz. Diese Verbindung wird überwacht! Wenn sie glauben, sollten diese E-Mail erhalten, senden Sie uns bitte ein E-Mail an office@commerzbank.de.

Weiter Sie wollen einen schönen Tag!

4 Kommentare |

Die Süddeutsche und der Klammeraffe

25. März 2010, 16.06 Uhr | Giesbert Damaschke

Das Museum of Modern Art hat den „Klammeraffen“, das „At-Zeichen“ bzw. „At-Sign“, also das @, in seine Design-Abteilung aufgenommen. Das war (nicht nur) der Süddeutschen eine Meldung wert. Die in der Druck-Ausgabe so überschrieben wurde:

In der Online-Ausgabe steht dann At- statt Ad, nur auf das gespreizte „Signet“ mochte man auch da nicht verzichten.

1 Kommentar |

Genehmigtes Ischias

15. März 2010, 13.05 Uhr | Giesbert Damaschke

Manchmal stolpern die Spammer ja doch lustig über die Tücken automatischer Übersetzungen. An seltsames Deutsch –

Wir freuen uns Ihnen mitteilen Sie von Ihrem E-Mail-Erfolg in unserem Wissenschaftlichen Email Internet-Programm.

– hat man sich ja gewöhnt. Aber dass ich einen Ischias-Preis gewonnen haben soll, fand ich doch ganz amüsant:

Sie haben sich fьr die Star Preis von $ 6,451,000.00 Dollar Ischias genehmigt

Wie kommen die da auf Ischias? Der angehängte „Unterschrift Notification Letter“ sorgt für Klarheit. Da nämlich ist die Rede von einem „Scientific Email Internet Program“, das in der Betreffzeile leider zu „Sciatic Email Internet Program“ wurde. Und „Sciatic“ heißt, richtig: Ischias.

1 Kommentar |

“Widerstand gegen Hitler entschloss”

5. März 2010, 16.53 Uhr | Giesbert Damaschke

Ich wurde gerade auf ein mir völlig rätselhaftes Phänomen aufmerksam gemacht. Sucht man nach der Phrase "Widerstand gegen Hitler entschloss" (inklusive Anführungszeichen), dann werden jede Menge Webseiten aufgeführt, in denen die Phrase völlig unvermittelt auftaucht. Und zwar immer dann, wenn man eigentlich das Wort „Umständen“ erwartet. Es scheint vor allem Impressumsangaben getroffen zu haben, aber nicht nur. Das findet sich auch bei E-Bay oder hier als beliebiges Beispiel auch in einer Pressemitteilung von Lidl:

4 Kommentare |

Finger weg von der „Red Cliff“-DVD!

3. März 2010, 19.53 Uhr | Giesbert Damaschke

Gestern habe ich mir John Woos hochgelobten Film „Red Cliff“ angesehen. Versprochen wird ein bildgewaltiges, wuchtiges Epos aus der chinesischen Geschichte – gesehen habe ich. Hm. Etwas ähnliches.

Der Film (oder genauer: das, was hierzulande auf DVD ausgeliefert wird, dazu gleich mehr) hat hinreißende Szenen, stark stilisierte Tableaus, ungemein wirkungsvolle Einstellungen und vieles mehr, was einen Martial-Arts-Film auszeichnet. Zuerst war ich beeindruckt, wurde aber zunehmend verwirrter. Die Schlachtsequenzen habe ich nie so richtig verstanden, Personen tauchen kurz auf, verschwinden, sind plötzlich wieder da, und die Kampfszenen waren eindeutig geschnitten, was den Bildrhythmus nachhaltig störte.

Ganz kurz ein Beispiel. Da gibt es plötzlich eine Prinzessin, die unbedingt mit in den Krieg ziehen will. Die Männer lachen und reiten davon. Es folgen ein paar Szenen der Schlachtvorbereitung, dann tauchen die feindlichen Truppen auf. Und werden von eben jener Prinzessin mitsamt einer Schar Kriegerinnen in einen Scheinangriff verwickelt und dem eigentlichen Kriegsheer in die Arme gespielt.

Was ist da los? Wie konnte aus der verlachten Prinzessin plötzlich die Anführerin eines kleinen Ablenkungstrupps werden? Eine Antwort erhält man nicht, die Frau verschwindet einfach wieder aus dem Film. Um etwas später als Spionin im gegnerischen Lager aufzutauchen. Noch etwas später ist sie wieder im heimischen Palast angekommen, wo sie von einem Mann, der offensichtlich mit ihr verwandt ist, den ich aber nicht einordnen konnte, erstaunt begrüßt wird: „Was machst Du denn hier?“ Ja, das fragt man sich dann auch.

Alles in allem war ich nach den gut 140 Minuten etwas enttäuscht – gesprungen wie ein Tiger, gelandet wie ein Bettvorleger. Und überhaupt: 140 Minuten ist nicht gerade wenig, aber auch nicht so übermäßig ausufernd, dass man von einem großen Epos reden müsste. John Woo nennt im Gespräch Filme wie „Lawrence of Arabia“ (der es bereits 1962 auf 220 Minuten brachte) als Vorbild – doch von dessen erzählerisch langem Atem schien mir Red Cliff sehr weit entfernt zu sein.

Ich hatte ja keine Ahnung!

Denn das, war hierzulande auf DVD verkauft wird, ist nur ein verstümmelter Rest dessen, was John Woo tatsächlich gedreht hat:

Um “Red Cliff” in den USA in einem Stück vermarkten zu können, ist der Film dort um fast zweieinhalb Stunden auf 148 Minuten gekürzt worden. Besonders krasse Bilder der Gewalt fehlen, darunter auch der Baby-Stunt. Diese gestutzte Version erscheint in Deutschland nur auf DVD […].

Bei der radikalen Kürzung sind ganze Handlungsstränge auf der Strecke geblieben, viele poesievolle und so gut wie alle komödiantischen Szenen. Eine Hauptfigur, die Prinzessin Sun Shang Xiang, taucht bloß am Rande auf. Im Original werden die Hauptfiguren, ihre persönlichen Eigenarten und inneren Konflikte facettenreich porträtiert, in der Kurzfassung erscheinen die Charaktere nur noch skizziert. Woos elaborierte Bildmontagen sind durch harte Schnitte verstümmelt worden.

(Ralph Umard bei Spiegel Online)

1 Kommentar |

Die Trends der Cebit 2010

3. März 2010, 17.20 Uhr | Giesbert Damaschke

Erstaunlich – wenn man der Münchner Abendzeitung Glauben schenken möchte, scheint der Palm IIIc zu den Trends der aktuellen Cebit zu gehören:

Unscharf im Haldbunkel aufgenommen – aber was die Dame da in der Hand hält, ist unverkennbar ein Palm IIIc. Der wurde zur Cebit 2000 vorgestellt, vielleicht ist das ein Jubliäumsfoto. Auf der Händlerschürze hat das jedenfalls nichts verloren.

Keine Kommentare |

So klingt damaschke.de

1. März 2010, 15.37 Uhr | Giesbert Damaschke

Die Codeorgan analysiert den <body>-Teil im Quelltext einer Website und setzt sie in Musik um. Dabei werden alle Zeichen, denen keine Note zugeordnet werden kann – also alles außer A bis G (da es eine amerikanische Seite ist, fällt leider das „H“ raus) – aus dem Code entfernt, der Rest nach verschiedenen Methoden in Melodie, Rythmus und Synthesizer-Begleitung verwandelt, wobein anscheinend auch ein Zufallsgenerator eingesetzt wird, klingt eine Seite doch immer anders. Die Melodieführung bleibt gleich, aber Tonart und Begleitung ändern sich. (Diese Site klingt übrigens eher schräg.)

Keine Kommentare |