DigiNotar

21. September 2011, 13.41 Uhr | Giesbert Damaschke

Gerade trudelt die Meldung rein, dass DigiNotar pleite ist. Was mich daran erinnert, dass ich völlig vergessen habe, auf einen Beitrag von mir im „Hyperland“-Blog des ZDFs zu verweisen. Was ich hiermit nachhole:

Das DigiNotar-Desaster. Oder: Warum Sie sich vielleicht Sorgen machen sollten.

Angefangen hat es mit einem Eintrag im “Google Blog”. Dort warnte der Internetkonzern am 29. August vor einem gefälschten Zertifikat für die Internetadresse “google.com”. Schnell stellte sich heraus, dass Hacker das Zertifikat bei einem Angriff auf den Zertifizierungsanbieter DigiNotar erbeutet hatten. Hinter dem Einbruch, so munkelte man, stünde die iranische Regierung. So weit, so technisch, so weit weg.

Doch was sich anfangs als Randnotiz für IT-Spezialisten las, entwickelte in nicht einmal einer Woche eine rasante Dynamik. Innerhalb weniger Tage wuchs die Zahl der gefälschten Zertifikate von einem Fall erst auf 257, dann auf 531 – und das vermeintlich weit entfernte Problem für Techniker wurde zu einem Desaster, das dazu angetan sein könnte, das Fundament sicherer Kommunikation im Internet zu erschüttern: das Vertrauen der Anwender.

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Original hochwertige Fälschung

21. September 2011, 13.38 Uhr | Giesbert Damaschke

Früher habe ich den von Aksimet aufgefangenen Kommentarspam sicherheitshalber überflogen, inzwischen lösche ich ihn unbesehen. Aber manchmal bleibt mein Auge ja doch an einem Schmuckstück hängen:

Wir bieten nur original hochwertige gefälschte Pässe, Führerscheine, Personalausweise, Briefmarken und andere Produkte

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„Why live, if you can be buried for ten Dollars?“

31. August 2011, 13.05 Uhr | Giesbert Damaschke

Endlich habe ich die Quelle für ein Freud-Zitat bei Hans Wollschläger gefunden:

Im Moment, da man nach Sinn und Wert des Lebens fragt, ist man krank, denn beides gibt es ja in objektiver Weise nicht; man hat nur eingestanden, daß man einen Vorrat von unbefriedigter Libido hat, und irgend etwas anderes muß damit vorgefallen sein, eine Art Gärung, die zur Trauer und Depression führt. Großartig sind meine Aufklärungen gewiß nicht. Vielleicht weil ich selbst zu pessimistisch bin. Mir geht ein „advertisement“ im Kopf herum, das ich für das kühnste und gelungenste Stück amerikanischer Reklame halte: „Why live, if you can be buried for ten Dollars?“

Sigmund Freud an Marie Bonaparte, 13. August 1937

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Spampoesie: „Der Zweck dieser Prüfung ist es, den Betrug aus unserer Gemeinde zu bekämpfen.“

28. August 2011, 15.33 Uhr | Giesbert Damaschke

Bitte beachten Sie: Wenn wir nicht erhalten, die entsprechenden Informationen innerhalb von 72 Stunden, wird der Online-Dienst suspendiert werden.

Der Zweck dieser Prüfung ist es, den Betrug aus unserer Gemeinde zu bekämpfen.

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Hurricane Irene bleibt hinter Erwartung der Qualitäsjournalisten zurück

28. August 2011, 15.04 Uhr | Giesbert Damaschke

Wenn so ein Hurricane nicht ein paar Tote hinterlässt, Hochhäuser zertrümmert und ein fotogenes Chaos anrichtet, dann ist der Qualitätsjournalist was? Genau: enttäuscht. Also jedenfalls dann, wenn für Spiegel Online vor Ort twittert:

Spiegel Onlien Tweet zu Irene

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Der, nicht: das Blog

25. August 2011, 12.17 Uhr | Giesbert Damaschke

Vor knapp vier Jahren forderte ich die Leser dieses Blogs noch auf, sich dem unseligen Trend zu „der Blog“ zu verweigern und bei „das Blog“ zu bleiben. Damit stand ich zwar nicht allein, aber auf verlorenem Posten. Was wir immer schon geahnt haben, hat der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch nun in seinem rundum empfehlenswerten Sprachlog mit der gebührenden statistischen Akribie bestätigt: die Mehrheit spricht und schreibt „der Blog“. Sein ebenso nüchternes wie niederschmetterndes Fazit:

Mir, und allen anderen, für die es das Blog heißen muss, sage ich deshalb: Der Kampf ist vorbei. Das Maskulinum hat gewonnen. Auf dem Neutrum zu beharren, wird bald ebensoviel Charme haben, wie die Behauptung, dass Busen „eigentlich“ das „Tal zwischen den Brüsten“ bezeichnet.

Sprachgefühl hin oder her, man muss wissen, wann es Zeit ist, aufzugeben.

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Ein Heiratsantrag Anton Bruckners

17. August 2011, 12.23 Uhr | Giesbert Damaschke

Anton Bruckner an Josefine Lang, 16. August 1866:

Sehr geehrtes, liebenswürdiges Fräulein!

Nicht als ob ich mich mit einer Ihnen befremdenden Angelegenheit an Sie, verehrtes Fräulein, wenden würde, nein in der Überzeugung, daß Ihnen längst mein zwar stilles, aber beständiges Harren auf Sie bekannt ist, ergreife ich die Feder um Sie zu belästigen. Meine größte und innigste Bitte, die ich hiermit an Sie, Frl. Josefine zu richten wage, ist, Fräulein Josefine wollen mir gütigst offen und aufrichtig ihre letzte und endgültige auch auch ganz entscheidende Antwort schriftlich zu meiner künftigen Beruhigung mitteilen und zwar über die Frage: Darf ich auf Sie hoffen und bei Ihren lieben Eltern um Ihre Hand werben? oder ist es Ihnen nicht möglich aus Mangel an persönlicher Zuneigung mit mir den ehelichen Schritt zu tun? Fräulein sehen, daß die Frage ganz entscheidend ist, das eine oder andere bitte ich inständigst mir so bald als möglich eben so entschieden, aber gewiß, ebenso entschieden zu schreiben. Bitte, sagen Fräulein Josefine dies Ihren lieben Eltern aber sonst Niemanden (bitte das strengste Geheimnis bewahren zu wollen) und wählen Sie einen aus den zwei vorgelegten zwei Punkten der Frage im Einverständnis mit Ihren lieben Eltern. Mein treuer Freund Ihr Herr Bruder hat bereits mich auf alles vorbereitet und wird auch Sie schon seinem Versprechen gemäß verständigt haben. Nochmal meine Bitte: wollen Fräulein ganz offen und aufrichtig und ganz entschieden schreiben entweder: ich darf um Sie werben, oder gänzliche ewige Absage, (kein Mittelding etwa vertrösten oder umschreiben, da bei mir die höchste Zeit bereits vorhanden ist) (zudem wird sich Ihr Gefühl nicht leicht verändern, weil Fräulein sehr vernünftig sind). Fräulein dürfen die reine Wahrheit mir unbesorgt sagen, weil selbe in jedem Falle mir Beruhigung gewähren wird. Mit Handkuss einer möglichst baldigen entschiedenen Antwort entgegenharrend

Anton Bruckner

Gehört bei BR Klassik, um einen Tippfehler korrigiert und zitiert nach Bastian Schick.

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Serapionsbrüder als Hörspiel-Podcast

13. August 2011, 15.59 Uhr | Giesbert Damaschke

Mitunter tut sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit Großproduktionen von Hörspielen hervor. Ein Paradebeispiel ist das 12-teilige, rund 700 Minuten lange Hörspiel „Die Serapionsbrüder“, das Klaus Buhlert 2006 für den Bayerischen Rundfunk nach der Erzählsammlung von E. T. A. Hoffmann eingerichtet hat. Bei der Erstaustrahlung habe ich es verpasst, die CD-Fassung war mir immer zu teuer. Um so erfreulicher ist es, dass der Bayerische Rundfunk das Hörspiel nun erneut austrahlt – und es diesmal in seinem Hörspiel Pool auch als Podcast bereit stellt. Die erste Folge wurde bereits am 12. August gesendet, kann aber immer noch geladen werden. In diesem Pool sind übrigens auch zahlreiche andere große Produktionen verfügbar, etwa das ebenfalls 12-teilige Hörspiel Die Abschaffung der Arten nach dem Roman von Dietmar Dath.

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Endlich! Shakespeare-Frage gelöst

6. August 2011, 14.54 Uhr | Giesbert Damaschke

Der Shakespeare-Übersetzer Frank Günther gibt im SZ-Interview (leider (noch?) nicht online) die endgültige Antwort auf die Frage: Wer schrieb Shakespeares Stücke?:

Die Stücke wurden in Wirklichkeit von Königin Elisabeth geschrieben. Aber Elisabeth war nicht Elisabeth. Die richtige Elisabeth ist von ihrer Schwester, der Bloody Mary, ermordet und durch einen jungen Schauspieleleven ersetzt worden. Daraus ergibt sich alles andere schlagend: Der Schauspieler in seiner Lebensrolle als falsche Königin hat in seiner Einsamkeit und auch sexuellen Verzweiflung, weil er ja nicht mehr an die Weiber rankam, diese ganzen eskapistischen Stücke geschrieben, in denen transsexuell verkleidete Menschen aus den Zwängen des Hoflebens in idealische Ardenner Wälder fliehen. Bitte! Warum hat Elisabeth 300 Perücken hinterlassen? Warum hat sie die Schminke so dick aufgetragen? Warum diese Stilisierung zur jungfräulichen Ikone? Warum war Königin Shakesbeth immer so sauer, wenn eine der Hofdamen ein Techtelmechtel mit einem der Earls hatte? Warum kamen die sofort in den Tower? Und warum hat Elisabeth niemals geheiratet? Na, sie konnte nicht, weil sie ein Kerl war. Und warum wurden so viele dieser Stücke von Shakespeare am Hofe aufgeführt? Weil die Königin bei ihrer eigenen Premiere dabei sein wollte, sie konnte ja schlecht ins Puffviertel nach Southwark fahren. Shakespeare war Elisabeth, und Elisabeth eine Drag-Queen aus dem Londoner Schmierentheater. Und jetzt soll mir mal einer das Gegenteil beweisen.

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Von Gütt zu Sarrazin

18. Juli 2011, 17.38 Uhr | Giesbert Damaschke

Thilo Sarrazin sorgt mal wieder für Schlagzeilen, und ich höre zufällig im SWR2-Zeitwort-Podcast den Beitrag zum 14. Juli 1933: Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wird verabschiedet. Dort werden Ausschnitte aus einer Rundfunkansprache Arhur Julius Gütts vom 26. Juli 1933  gebracht, die mich doch frappant an Sarrazins These vom Aussterben der Deutschen erinnert haben. Man muss nur ein paar Wörter austauschen, die Sarrazin sich zu benutzen dann doch nicht traut, aber Stoßrichtung und Argumentation sind identisch:

Es ist eine leider bedenkliche Tatsache, dass zum Beispiel gerade oft Minderbegabte und Schwachsinnige sich erheblich stärker vermehren als die wertvollen Gruppen. Während die gesunde deutsche Familie besonders der gebildeten Schichten etwa zwei Kinder im Durchschnitt hat, weisen Schwachsinnige und andere erblich Minderwertige durchschnittlich Geburtenziffern von drei bis vier Kindern je Ehepaar auf.

Bei einem solchen Verhältnis ändert sich aber die Zusammensetzung eines Volkes von Generation zu Generation, so dass in etwa drei Geschlechter folgend die wertvolle Schicht fast völlig verschwunden ist und nur noch Minderwertige übrig bleiben. Das bedeutet dann aber den Untergang und das Aussterben der hochwertigen Menschen und Familien. So ist die Zukunft unseres Volkes ernstlich bedroht. Es geht dabei eben um das Leben und Sterben der deutschen Nation.

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