Schlaue Software, dumme User?
Montag, 4. Oktober 1999, 0.33 Uhr | Giesbert Damaschke
Noch nie waren so komplizierte Maschinen so einfach zu bedienen wie heutzutage Computer dank Mac, Windows & Co. Die Zeiten, in denen Programme mit unterschiedlichen und meist sehr eigenwilligen Bedienkonzepten für anhaltende Frustrationen sorgten, sind glücklich überwunden. Doch so begrüßenswert die Entwicklung einfacher Konzepte, Standards und Strukturen auch ist – bedenklich wird es, wenn immer mehr Entwickler zu glauben scheinen, Software müsse »intelligent« sein. Das Ergebnis sind die sattsam bekannten Agenten, Assistenten, Autokorrekturen, Smart-Browser und wie die Funktionen alle heißen, die mit erstaunlicher Sicherheit die dümmste aller möglichen Entscheidungen treffen. Immer häufiger führt sich Software so auf, als wisse sie besser als der Anwender, was gut für ihn sei, bei jedem neuen Programm beschleicht einen der Verdacht, »intelligente Software« solle nicht nur den Einstieg erleichtern, sondern mit ihrer penetranten Besserwisserei vor allem dafür sorgen, den Einsteiger im Zustand dauernder Unmündigkeit zu halten. Vielleicht sollten sich die Entwickler daran erinnern, daß Computer Werkzeuge sind. Intelligenz braucht man vor dem Monitor, nicht im Computer.
Zuerst erschienen in: Online Today, Oktober 1999





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