Stephen King: Duddits (Dreamcatcher)

Samstag, 22. März 2008, 19.26 Uhr | Giesbert Damaschke

Cover Duddits Stephen King Dreamcatcher Anfang Januar habe ich hier ein schönes Zitat von Stephen King über die beste Textverarbeitung der Welt gebracht, jetzt habe ich den Fehler gemacht und das Buch lesen wollen, aus dessem Nachwort es stammt. Duddits (Dreamcatcher) ist ein quälend lang ausgewalztes, langweiliges Buch, dessen plot man bei einer Doppelfolge Akte X vermuten könnte, aber nicht unbedingt lesen möchte. Da hilft es gar nicht, dass das Geschehen die Protagonisten an allerlei alte SciFi-Filme und, ja, auch, an Akte X denken lässt – dergleichen metafiktionale Spielereien helfen dem faden Produkt nicht auf die Beine, sondern sind das hilflose Eingeständnis des Autors, dass ihm die Drehbuchfabrik Hollywoods schwer zu schaffen macht. Das ist wirklich schade, von Zeit zu Zeit les ich King ganz gern und habe etwa Es, Stark, Needful Things, The Green Mile, The Buik, verschiedene Kurzgeschichten oder On Writing noch als angenehme Lektüre in Erinnerung. Aber Duddits habe ich nach 250 Seiten abgebrochen und mir die restlichen 580 Seiten erspart. Tun Sie sich einen Gefallen und fangen Sie erst gar nicht damit an.


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2 Kommentare zu Stephen King: Duddits (Dreamcatcher)

Anonymous schreibt:
24. März 2008, um 12:50

Tja, King (den ich zu diesen unermüdlich produzieren-müssenden Hochöfen für Wörter und Geschichten zähle, von denen auch Arno Schmidt sprach) hat in der Tat sehr unterschiedlich inspirierte Sachen veröffentlicht, und “Duddits” gehört sicher zu den flacheren Nebenwerken, die er zwischen den sorgfältiger ausgearbeiteten Romanen eben auch mal auf den Markt wirft, um im Gespräch zu bleiben. Ich meine, man kann bei ihm ziemlich präzise zwischen routiniert hingeschluderten “Brotarbeiten” fürs breite Publkum und sorgfältig konstruerten, sprachlich niveauvollen Texten unterscheiden. Tragisch daran ist, daß in der Regel weder seine Fans (die den Paradiesvogel nicht vom Rohrspatzen unterscheiden können) noch die Kritiker (die ihn a priori als “Pulp”-Schreiber abstempeln und schon gar nicht mehr richtig hinlesen) den Unterschied erkennen. Seltsam ist dabei die sich in den letzten 10 Jahren zusehends vergrößernde Qualitätskluft zwischen Kings guten Büchern (die immer besser werden) und den eigeschobenen Routinearbeiten (die immer mieser werden). Dein oben erwähnter “From a Buick 8″ z.B. ist in meinen Augen ganz schwach und vorhersehbar (trotz Dylan-Referenz im Titel). Dagegen ist selbst “Dreamcatcher” ein Phönix, zumindest im letzten Drittel.

((Einschub, à propos Dylan: Dessen Werk ist ja qualitativ ähnlich undulatorisch: selbst in Meisteralben wie “Blood on the Tracks” stehen Geniestreiche neben ödesten, stereotypen Blues-Workouts – ganz zu schweigen von überschätzem Langweilerkram wie “Infidels”.))

Als ausgesprochene Leseempfehlung in Sachen “guter King” möchte ich übrigens seinen vorletzten Roman “Lisey’s Story” nennen, in dem das “Phantastische” auf eine Weise präsent ist, verwandelt und vielschichtig, daß man es fast nur noch als Metapher zu lesen vermag; ein Roman, in dem es um das Schreiben, um die Quellen der Kreativität, die Kraft der Phantasie und der Liebe geht. Subtil konstruiert, sprachlich exzellent, psychologisch ausgefeilt. Das was äußerlich so “passiert”, ist allerdings unspektakulär und gleichsam nur noch Trägersubstanz für das Innenleben der Figuren. Zur angenehm-abspannenden Unterhaltung nebenher mit wohlgem Thrill-Effekt ergo denkbar ungeeignet. Weshalb viele King-Leser beim Anblick dieses “literarischen” Kings auch prompt erblindeten (falls sie je sehen konnten, was nicht gesichert ist) und das Buch als langweilig und altersmüde abtaten.

Es empfielt sich bei King übrigens fast immer, die Originale zu lesen, da die kursierenden deutschen Übersetzungen viele Nuancen des Tons und des sprachlichen Feinbaus plattwalzen und in ein schwafliges Allerweltsdeutsch transformieren. Bei “Duddits” ist das vielleicht nicht weiter schlimm – bei “Lisey’s Story” allerdings tötlich.

Ach ja, die deusche Ausgabe das Buches heißt “Love” – nicht ganz so schlimm wie “Duddits” für “Dreamcatcher”, aber man fragt sich doch gelegentlich, was in den Köpfen der Marketing-Strategen bei Heyne vorgeht, wenn sie sich sowas ausdenken. Abgesehen davon, daß scheinbar jeder eingedeutschte King-Roman seit “Es” dem Prinzip “Einwort-Titel” gehorchen muß:

Bag of Bones – Sara
The Girl Who Loved Tom Gordon – Das Mädchen
Hearts in Atlantis – Atlantis
Lisey’s Story – Love
Duma Key – Wahn
u.s.w.

Zu “Love” resp. “Lisey’s Sory” siehe auch: http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~EE7C2BAECBE944F54B55C9A98A9EF9E2D~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Andre schreibt:
24. März 2008, um 12:55

Sorry, habe mich verklickt und den obigen Kommentar ohne Namen abgesendet. Also: die Anmerkung zu “Duddits” nebst fragwürdigen persönlichen Wertungen ist mir zuzuschreiben. :-)