Ja, wo surfen sie denn?

Montag, 3. September 2001, 14.42 Uhr

Immer wieder beliebt: Die Studien zur Netznutzung der Deutschen. Selbst wenn man ihnen nicht über den Weg traut – für den nächsten Kaffeeplausch reichen sie allemal.

Es ist ein Elend mit dem Netz. Kaum glaubt man, es verstanden zu haben, schon schlägt die Entwicklung einen Haken und aus den neusten Businessplan wird flugs die allerneueste Pleite. Kein Wunder, dass gerade in Sachen Internet das Geschäft der professionellen Zeichendeuter floriert und die Meinungs-, Markt- und Trendforscher an ihren Buden allerlei Studien, Analysen und Prognosen feil bieten. Dass es mit deren Tragfähigkeit in der Vergangenheit nicht sonderlich weit her war, hält die Augurenzunft nicht davon ab, regelmäßig mit neuen Zahlen auf sich aufmerksam zu machen. Natürlich ist man auch unter Kaffeesatzlesern lernfähig und weiß, dass man nach dem Prognosendebakel bestenfalls gedämpften Optimismus verbreiten darf. So zum Beispiel: Die aktivsten Netznutzer Europas sind die Deutschen. Das ist Nielsens positive Botschaft. Dämpfer: Dazu braucht’s nicht viel, nämlich lächerliche acht Stunden Netznutzung: pro Monat! Den kümmerlichen Tageswert mag man da gar nicht mehr ausrechnen. Auch bei Jupiter geht’s gedämpft zu. Da kam endlich jemand auf die Idee, nicht nur die Internetanschlüsse zu zählen, sondern zu fragen, ob die vorhandene Technik überhaupt genutzt wird. Wird sie nicht: Nur 72 % aller potentiellen Netznutzer schauten innerhalb eines Monats wenigstes einmal ins Netz (wie viel es pro Tag sind, hat man lieber nicht gefragt, sonst zerplatzt am Ende noch der schöne Traum von täglichen Dauernutzer). Da war man am BAC schon mutiger: 5,24 Millionen, so fanden die Burda-Forscher heraus, nutzen das Internet täglich. Na, also. Nur blöd, dass sich um diesen eh schon kleinen Kuchen ein paar Hundert Anbieter balgen. Überblendet man dieses Ergebnis mit zwei anderen Studien, ist die gute Laune endgültig dahin. Auch in einer Netvalue-Studie liegen die Deutschen Surfer europaweit an der Spitze – beim Besuch von Pornosites. Rund 5,3 Millionen treiben sich im Monat im virtuellen Rotlichtbezirk herum. Kein Wunder, dass, so die jüngste Nutzerstudie von ARD und ZDF, die meisten Surfer lieber privatissime online gehen. Na dann – viel Spaß im Netz.

Zuerst in: Kress-Report, 36/2001


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