Jef Raskin (1944–2005)

Dienstag, 1. März 2005, 15.50 Uhr

Am Samstag, den 26. Februar, starb der GUI-Pionier Jef Raskin 61jährig an Krebs. Raskin war einer jener Computer-Entwickler, die im Hintergrund bleiben, während sich die Aufmerksamkeit des Publikums auf den Mann im Vordergrund konzentriert. Bei Raskin hieß der Mann im Vordergrund Steve Jobs.Raskin war nur wenigen Insidern bekannt, doch für diese wenigen war eine Legende. Als „Mitarbeiter Nr. 31“ war er bei Apple maßgeblich an der Entwicklung der graphischen Benutzerschnittstelle des Apple Macintosh beteiligt, als dessen Vater er gilt – auch wenn Andy Hertzfeld darauf hinweist, dass Raskin eher der exzentrische Großvater des Macintosh sei. Denn das, was Raskin im Sinn hatte und das, was wir heute als Macintosh kennen, war doch sehr verschieden. Während Steve Jobs (der nach Raskin die Macintosh-Entwicklung leitete) etwa unbedingt eine Maus als Steuergerät haben wollte, verabscheute Raskin Mäuse als gänzlich überflüssig. Der Streit über die Maus war auch der Grund, warum Raskin das Unternehmen Apple 1982 verlassen musste.

Einfachheit und die strikte Vermeidung von Überflüssigem waren seine beide leitenden Design-Grundsätze, mit denen Raskin eine ganze Generation von Interface-Designern beeinflusste. Wobei er in seinem Streben nach Redundanzvermeidung sogar so weit ging, seinen Vornamen von Jeff in Jef abzukürzen.

Sein eigener Computer, den er nach dem Weggang von Apple bei Canon entwickelte, hießt „Cat“ und wurde ein fulminanter Misserfolg. Cat sollte bereits das können, was bis heute nur im Ansatz realisiert ist: der Computer als sofort einsetzbares, immer verfügbares, unauffälliges, aber präsentes Werkzeug. Cat sollte keinen Ein-/Ausschalter besitzen, sondern beim Tastendruck sofort zur Verfügung stehen. Die Geräte wurden von Canon allerdings mit zentralem Schalter ausgeliefert, was für Raskin eine Todsünde war und sein ursprüngliches Allzeitbereit-Konzept ad absurdum führte.

Raskin hatte ein breites Interessensspektrum, er studierte Mathematik und Philosophie, er interessierte sich sehr für Musik, unterrichtete vor seiner Tätigkeit für Apple Kunst und Fotografie, nach seinem Weggang von Apple arbeitete er unter anderem für Hersteller von Modellflugzeugen und E-Pianos. Geld verdiente er schließlich mit der Idee zu einer neuartigen Holzfräsemaschine.

Raskin hat nie aufgehört, an einem optimalen Computerinterface zu arbeiten. Seine Ideen fasste er schließlich in dem Buch „The Human Interface“ (dt.: Das intelligente Interface“ zusammen).

Übrigens – wenn Sie das nächste Mal in Windows, am Mac, unter Unix oder irgendeinem anderen graphischen Benutzerinterface ein Objekt mit „drag & drop“ bewegen, dann denken Sie kurz an Jef Raskin: Das war nämlich eine seiner Ideen.

Homepage von Jef Raskin

Jef Raskin: A Life of Design

Andy Hertzfeld: The Father Of The Macintosh

Der „Canon Cat Computer“