Journalisten betriegen …

Montag, 17. April 2017, 8.58 Uhr

Journalisten betriegen 1) Wenn sie aus Respect oder Liebe gegen den Auctorem an Büchern / welche von ihnen recensiret und censiret werden / dasjenige / was zu tadeln ist / nicht gebührend anmercken / sondern stillschweigend übergehen. 2) Wenn sie an den Büchern / sonderlich derejenigen Gehlerten welche in Republica Litteraria eine Figur machen, alles ohne Unterscheid mit vielen Lobsprüchen erheben / und das Quandoque etiam magnus dormitat Homerus auf die Seite setzen. 3) Wenn sie nach dem verschiedenen Affect der Liebe und des Hasses ihre BücherCensuren abmessen / und diejenige / deren Auctoribus sie wohl wollen, bestens recommendiren / diejenigen aber, deren Verfassere sie gehäßig sind, ohne Ursach tadeln, oder durchhecheln. 4) Wenn sie in ihren Censuren dem Auctori eines Buches allerhand paradoxe Meynungen / welche ihnen offt niemahls in Sinn kommen / andichten / und dazu einige Stellen aus ihren Schrifften zusammen klauben, und ohne Connexion anführen. 5) Wenn sie nur diejenigen Bücher / welche die Verlegere ihres Journals drucken lassen, mit vielen Lobsprüchen recensiren, anderer Verlags-Bücher aber entweder gar nicht oder doch mit schlechtem Lob, welches solche doch vielleicht besser verdienet / gedencken. 6) Wenn sie ihre eigene Bücher recensiren, und dieselbe als ohn entbehrlich der gelehrten Welt anpreisen.

Mittel: Daß man die Journale oder Monaths-Schrifften durch einen Gelehrten und unpartheyischen Mann genau censiren und von unbilligen Anzüglichkeiten saubern lasse.

Georg Paul Hönn, ›Betrugs-Lexikon worinnen die meisten Betrügereyen in allen Ständen nebst denen darwieder guten Theils dienenden Mitteln entdecket werden‹
(Dritte Edition, Coburg: Paul Günther Pfotenhauer und Sohn, 1724)

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