Kabellose Computer? Schön wär’s.

Montag, 11. April 2005, 14.48 Uhr

Vor einiger Zeit macht eine Pressemitteilung die Runde. Erstmals, so hieß es, sei es geglückt, eine kabellose Computer-Maus zu konstruieren, die ohne Akkus oder Batterien auskäme. Das klang auf Anhieb offensichtlich so toll, dass selbst Spiegel Online die Meldung begeistert veröffentlichte und niemand auf die Idee zu kommen schien, die Pressemitteilung etwas genauer zu lesen und sich zu fragen, wie die Maus ohne Stromversorgung funktionieren soll. Man hätte auch einfach in der Layout-Abteilung nachfragen können. Dort hätten die Grafiker den Redakteuren nämlich sagen können, dass die kabel- und batterielose Maus keine neue Idee, sondern ein uralter Hut ist.

Seit rund 15 Jahren bietet die Firma Wacom Grafiktabletts an, bei denen der Eingabestift und die Maus kabel- und stromlos arbeiten. Die Tabletts sind mit dem PC verbunden, der das Tablett mit Strom versorgt. Das Tablett erzeugt ein schwaches Magnetfeld, in dem die pixelgenaue Position von Stift oder Maus per Induktion ermittelt und an den Computer übertragen wird. Nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet auch die angeblich so sensationell neue Maus. Die funktioniert nämlich nur auf einem speziellem Mauspad, das selbstverständlich mit dem PC verkabelt ist.

Doch es geht mir hier jetzt nicht darum, dass die Kollegen auf den Verkaufstrick hereingefallen sind (auch wenn man sich manchmal wünscht, dass die Fachjournalisten ein wenig mehr Fachwissen hätten). Interessanter ist da schon die Frage, warum diese simple Meldung so erfolgreich war – die Maus wurde schließlich nicht nur bei Spiegel Online, sondern auch in der Computerfachpresse als Innovation herumgereicht. Einer der Gründe dürfte wohl in dem Wunsch liegen, dass die ganzen angeblich kabellosen Geräte doch tatsächlich einmal so kabellos sein mögen, wie es uns die Werbung immer verspricht. Denn auch die kabellose Elektronik kommt ohne Stromversorgung nicht aus – und die gibt’s derzeit nur über ein Kabel (auch wenn die kabellose Stromversorgung, wie sie die Firm Splashpower kürzlich zum Patent angemeldet hat, eine interessante Entwicklung zu sein scheint).

Natürlich kann ich mit meinem Notebook kabellos arbeiten – und dank WLAN sogar an jeder beliebigen Stelle in meinem Büro. Allerdings nur so gute zwei Stunden lang, dann nähert sich der Akkuladepegel einem gefährlich geringem Stand und das kabellose Gerät muss dringend wieder ans Kabel. Das gleiche gilt natürlich für alle mobile Elektronik, mit der man so unterwegs ist. Ganz gleich, ob ich meine Digicam zücke, mit dem Handy telefoniere oder meinem Winzcomputer aus der Jackentasche hole: Jedes Mal setze ich ein elektronisches Gerät ein, dass zwar so kompakt und handlich ist, dass ich es mit auf die Reise nehmen kann – doch damit diese Geräte wirklich mobil genannt werden können, müssten ihre Akkus länger durchhalten. So ist man gezwungen, bei längeren Reisen eine extra Tasche für drei oder vier Ladestationen, Stromkabel und Steckerleiste einzupacken, damit den mobilen Geräten nicht just dann die Puste ausgeht, wenn man sie unterwegs am dringendsten benötigt.

Die Hersteller sollten sich weniger darauf konzentrieren, dass ihre Geräte bei vollen Akkus Spitzenleistungen bringen, sondern dass genügend Leistung über einen sehr langen Zeitraum verfügbar ist. Bis es soweit ist, ist der kabellose Computer nur eine Illusion. Es wäre schön, wenn er es eines Tages nicht mehr wäre.