King Kong

Mittwoch, 8. März 2006, 16.29 Uhr

Die Oscar-Verleihung hat mich daran erinnert, dass ich eigentlich regelmäßig ein paar Notizen zu Kino-Besuchen schreiben wollte. Nun, dann halt nachträglich eine kleine Zusammenfassung von Beiträgen aus dem Zeit-Forum

King Kong (2005; Regie: Peter Jackson)
Gesehen am 3. Januar 2006

Was für ein durchunddurch großartiger Film! Wer am Schluss nicht heult, der hat kein Herz. Ganz großes Kino, keine Sekunde zu lang. Das ist kein simples Remake, das ist eine große Liebeserklärung, an das Kino, seine Themen und sein Personal. Da wird hemmungslos geschwelgt, mit einem Gespür für Nuancen und Tonfälle, wie sie nur ein Liebhaber wirklich trifft. Perfekt. Gehört in die Liste der Filme 2005 ganz nach oben.

Die Monsterszenen auf der Insel mit ihrer »Immer noch eins drauf«-Ästhetik mag man als »too much« empfinden und die Gefahr ist natürlich, dass der superlativische Gestus überspannt zusammenbricht. Doch Jackson hat so gerade eben die Balance gehalten. Und die Saurier sind einfach zu gut, da wollte Jackson wohl einfach so viel wir nur irgendmöglich und lieber fünf Minuten zuviel als fünf Sekunden zu wenig zeigen. Nicht vergessen werden sollte auch, dass solche Szenen auch beim wiederholten Sehen und über Jahrzehnte hinweg funktionieren, also die sich anpassende Sehgewohnheit gewissermaßen antizipieren müssen. – Aber keine Frage, das ist eine Gratwanderung.

Ich hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass eine gerenderte Figur lebendige Augen hat. Gollum war schon gut, aber Kong ist noch besser. Dabei hat sich Jackson ganz offensichtlich erlaubt, die Größe des Affen als dramaturgisches Mittel einzusetzen und sich hier die Freiheiten genommen, die sich jeder Traum nimmt.

Fand ich sehr schön (es geht da nicht um Plausibilität und simple Widerspruchsfreiheit, es geht um visuelle Überzeugungskraft: tertium datur) und passt auch ganz wunderbar zum »Fiktion vs. Wirklichkeit«-Diskurs des Filmes.

Wenn ich das richig in Erinnerung habe, gilt »King Kong« von 1933 als der erste echte Kino-Film; da ist es nur recht und billig, dass sich Jacksons Film von Anfang bis zum Ende mit seinen eigenen Grundlagen beschäftigt und gleichsam nebenbei die Geschichte des Films, vom Vaudeville über die Live-Bühnenshow bis zum modernen Kino erzählt.

Besonders schön: Der Autor als wildes Tier hinter Gittern, der durch sein Schreiben die nächste Szene entstehen lässt: »EXT. SKULL-ISLAND«. Auf dieser Ebene gibt es in Jacksons Film wohl noch sehr viel zu entdecken & zu entziffern: Der Autor, der sich selbst erst versteht, wenn er sein eigenes Bühnenstück sieht; elementare Verständigung der Geschlechter über Jahrmarktschaustücke etc. etc.

Und nicht zu vergessen der hübsche Kong-Witz im Taxi auf der Fahrt zum Schiff: »Was ist mit Fay?« – »Die dreht mit Cooper für RKO« – »Mist, ich hab’s gewusst«.