Liebes Kalenderblatt des Bayerischen Rundfunks,

Dienstag, 22. November 2011, 23.50 Uhr

ich höre Dich ja wirklich jeden Tag sehr gern. So, wie das Zeitzeichen der Kollegen beim WDR. Aber heute hast Du doch mal ziemlichen Unfug erzählt, nämlich:

Aalglatt, hinterhältig und doch immer munter oben auf! Charakter und Beruf verbinden sich zu einem zeitlosen Erfolgsmodell in Goethes „Reineke Fuchs“. Am 22. November 1793 ist die böse Fabel erschienen.

Das nämlich ist leider falsch. Als Erstdruck weist die Weimarer Ausgabe (I/50 bzw. Band 58) auf S. 352 „Goethe’s neue Schriften. Zweyter Band“ (Unger 1794) aus. Dieser Band erschien laut Erich Trunz (Hamburger Ausgabe Band 2, S. 719) „im Frühjahr 1794, rechtzeitig zur Messe“, laut Rose Unterbergers „Goethe-Chronik“ (Insel 2002, S. 176) im Juni 1794.

Ob Frühjahr oder Juni – auf jeden Fall erschien „Reineke Fuchs“ nicht am 22. November 1793. Wie kommst Du also auf dieses Datum?

Vielleicht ging das Epos ungefähr zu diesem Datum in Druck, schreibt Goethe doch am 18. November 1793 an Friedrich Heinrich Jacobi:

Reinecke Fuchs naht sich der Druckerpreße.

Aber auch wenn Du die Drucklegung mit dem Erscheinen verwechselst, dann hätte ich dafür auch ganz gern mal eine Quelle.

Also: Wie kommst Du auf den 22. November 1793?

Dein treuer Hörer

Giesbert Damaschke


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