Lila Kühe

Dienstag, 6. Juni 2006, 0.55 Uhr

In dem Film Shadow of the thin man (1941) (dem vierten Teil der Thin-Man-Serie) sitzen Nora, Nick und Nick jr. beim Essen.

Nick jr. soll seine Milch trinken, was er nur tun will, wenn sein Vater Nick ebenfalls ein Glas Milch trinkt. Der will zwar gerade seinen üblichen Cocktail zügig in sich hineinschütten und winkt also dankend ab, muss sich aber doch beugen und trinkt schließlich sein Glas Milch mit Todesverachtung.

Anschließend (auf der DVD beim Zählerstand von 17:49) gibt es diesen kurze Wortwechsel mit seiner Frau:

Nora: »Drunk, dear?«
Nick: »I keep seeing purple cows.«

Purple Cows. Sollten die Marketing-Experten bei Milka ihr Lila-Kuh-Markenzeichen am Ende diesem Film verdanken? Oder, was ich für wahrscheinlicher gehalten habe: Sollte »seeing purple cows« vielleicht ein amerikanisches Sprichwort sein, von dem die Milka-Leute sich haben inspirieren lassen?

Zeit für eine kurze Google-Suche. Ein Sprichwort habe ich dabei auf die Schnelle zwar nicht gefunden, wohl aber jede Menge Texte von und über einen gewissen Seth Godin, der ein Marketing-Buch mit dem Titel Purple Cow geschrieben hat.

In einem Artikel für das Wirtschaftsmagazin Fastcompany vom Februar 2003 (In Praise of the Purple Cow) schildert Godin, wie er er auf die Idee kam, das Bild der purple cow als Marketingmetapher zu benutzen.

Sein länglicher Artikel (und ich vermute auch, sein Buch) lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Langweilige Dinge werden nicht wahrgenommen. Wer etwas verkaufen will, muss wahrgenommen werden. Also muss man langweilige Werbung vermeiden.

Etwas bunter formuliert:

Cows, after you’ve seen them for a while, are boring. They may be well-bred cows, Six Sigma cows, cows lit by a beautiful light, but they are still boring. A Purple Cow, though: Now, that would really stand out. The essence of the Purple Cow — the reason it would shine among a crowd of perfectly competent, even undeniably excellent cows — is that it would be remarkable. Something remarkable is worth talking about, worth paying attention to. Boring stuff quickly becomes invisible.

Da verblüfft mich nun gleich zweierlei. Zum einen, dass Godin es schafft, eine Allerweltsbanalität als neues Marketingmantra auszurufen. Wenn man einer flüchtigen Google-Recherche glauben darf, ist er damit sogar sehr erfolgreich – aber was will man auch schon von einer Branche erwarten, in der ein so überaus schlichtes Buch für schlichte Gemüter wie Who moved my cheese? / Die Mäusestrategie zu einem Bestseller wird?

Zum anderen überrascht mich, dass Godin auch nicht einmal den Namen Milka erwähnt.

Und ob es sich, wie vermutet, um ein gängiges Sprichwort handelt, weiß ich immer noch nicht.


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