Lost, Staffel 1, Folgen 1–16

Mittwoch, 1. Oktober 2008, 0.39 Uhr

Jetzt habe ich vier DVDs und also 16 Folgen der ersten Staffel der hochgelobten Serie Lost gesehen und bin eher zwiespältig. Einerseits gibt es immer wieder Spannungsbögen, das Erzählverfahren ist sehr reizvoll und clever – und doch beschleicht mit der Verdacht, an der Nase herumgeführt zu werden.

„Man spürt die Absicht und man ist verstimmt“: Da werden so offensichtlich zeit- und also folgenschindende Cliffhanger gesetzt, noch ein Rätsel, noch ein paar Andeutungen, noch ein paar Verwicklungen –: dass man auf die Idee kommen könnte, einer ziellos um sich selbst kreisenden Serienmaschinerie zuzusehen, der es gar nicht darauf ankommt, eine Geschichte oder Geschichten zu erzählen, sondern nur endlos Folge an Folge zu reihen. Es fallen einem unweigerlich die formlos gewucherten 3000-Seiten-Fortsetzungsromane aus der Hochzeit der Kolportage ein. Hier wie da wird Erzählen lediglich imitiert und statt einer Geschichte ein Gemisch aus Reize und Stimulantien präsentiert, das mit der Zeit immer schaler zu werden droht, je mehr sich anzukündigen scheint, dass es außer ihnen nichts gibt. Das Ziel von Lost ist nicht die Story, sondern die Einschaltquote.

Nach 16 Folgen wirkt Lost wie ein ausufernder Teaser zu einem Hauptfilm, den es gar nicht gibt.