Mal eben rasch …

Freitag, 8. April 2005, 14.43 Uhr

Eigentlich soll mit USB, dem Universal Serial Bus, ja alles sehr viel einfacher gehen. Jedes USB-Gerät lässt sich mal eben rasch anschließen, ohne dass man sich wie früher mit der Installation von Schnittstellenkarten oder Treibern herumschlagen muss. Das funktioniert mit USB-Memorysticks oder -Festplatten auch ganz gut. Doch problematisch wird es, wenn man andere Geräte – Drucker, Tastatur, Scanner, Digicam etc. – mal eben rasch anschließen möchte. Hier sorgt der etwas seltsame Umgang von Windows mit USB dafür, dass es nicht immer so glatt geht, wie versprochen. Kommt dann noch ein schlecht designtes PC-Gehäuse und ein etwas unaufgeräumter Arbeitsplatz dazu, dann kann man sich nicht nur eine Zerrung, sondern sogar eine gebrochene Nase holen. Doch der Reihe nach.

Eine der Macken beim Umgang mit USB besteht bei Windows darin, dass das System mitunter vergisst, welche Geräte es bereits kennt und welche Treiber schon vorhanden sind. Schließt man ein bereits installiertes Gerät einmal an einem anderen USB-Port an, kann es passieren, dass Windows mit der Treiberinstallation sturheil von vorn beginnt. Bei einem meiner älteren PCs sind die Treiber für meine Digicam zum Beispiel mindestens vier- oder fünfmal vorhanden. Doch auch wenn man die Verkabelung nicht ändert, wird Windows vergesslich.

Der Datenaustausch zwischen meinem Handheld-Computer und dem Windows-PC erfolgt über eine so genannte Cradle, die via USB mit dem PC verbunden ist. Zum Datenabgleich zwischen PC und Handheld stelle ich den Minicomputer in die Cradle und drücke auf einen Knopf. Fertig. Normalerweise. Manchmal aber tut sich nach einen Druck auf den Knopf überhaupt nichts. Dergleichen kommt aus heiterem Himmel. Ich habe nicht Schimmer einer Ahnung, was da los ist – uns wissen sie was? Ich will es auch gar nicht wissen. Schließlich brauche ich meinen Computer, um damit zu arbeiten und nicht, um mich mit irgendwelchen Windowsbesonderheiten im Umgang mit angeschlossenen USB-Geräten herumzuschlagen. Statt also in die Systemuntiefen abzusteigen und in der Registry zu wühlen, suche ich lieber schnelle Lösungen. In diesem Fall heißt das: USB-Stecker raus und an einer anderen USB-Schnittstelle anschließen. Und damit sind wir beim Thema der schlecht designten PCs und gebrochenen Nasen.

Mein PC hat vier USB-Anschlüsse, zwei befinden sich an der Rückseite, zwei an der Vorderseite. Der PC steht auf dem Boden, die Anschlüsse an der Rückseite sind nur schwer zugänglich, also steckt die Cradle an einem der vorderen USB-Anschlüsse. Die aber sind wirklich selten dämlich montiert, nämlich im unteren Bereich des PCs hinter einer Klappe, die sich nur zu ca. 45 Grad nach oben öffnen lässt und die USB-Ports komplett verdeckt. Das schaut auf Produktfotos zwar immer cool aus, ist in der Praxis aber einfach nur ärgerlicher Murx. Zum einen muss man sich fast auf den Boden legen, wenn man mal eben rasch ein USB-Gerät anschließen möchte, zum anderen braucht man schon eine geschmeidige Hand, um mit dem Stecker hinter die Klappe zu kommen. Obendrein sind die beiden Anschlüsse so montiert, dass man mit den USB-Steckern im Dunkeln herumstochern und hoffen muss, durch schieren Zufall einen Port zu erwischen. Hat man den Anschluss endlich glücklich gefunden, stellt man nur zu oft fest, dass man den Stecker verkehrt herum gehalten hat und wieder von vorn anfangen darf. Das Ganze verkorkste Design verdankt sich offensichtlich der Vorstellung, die Leute würden ihre PCs auf den Tisch stellen (aber selbst dann wäre diese Klappenlösung alles andere als mal eben rasch benutzbar).

Diese Fehlkonstruktion ist im Alltag zwar ärgerlich, aber im Vergleich zu dem, was kürzlich einer Bekannten widerfuhr, völlig harmlos. Die nämlich wollte an ihrem etwas älterem Computer im Büro einen USB-Speicherstick anschließen, was nur an der Rückseite des PCs möglich war. Also zwängte sie sich in das Kabelgewirr zwischen den Schreibtischen im Büro und versuchte in unbequemer Haltung irgendwie an den USB-Port ihres Computers zu gelangen. Das führte zu einer etwas verkrampften und schmerzhaften Haltung. Zur Entspannung richtete sich auf, stieß sich dabei den Kopf und schlug anschließend so unglücklich auf eine Tischkante auf, dass sie sich die Nase brach.

Als sie mir davon erzählte, musste sie zwar selbst über ihre slapstickreife Vorstellung lachen – aber die Nase war trotzdem gebrochen. Ich ließ mir ihr Missgeschick eine Lehre sein und beschloss, das leidige USB-Problem ein für alle mal zu lösen. Am nächsten Tag kaufte ich mir einen simplen USB-Hub mit eigener Stromversorgung. Nun steht auf meinem Schreibtisch ein schmuckes, einfach zu erreichendes Kästchen mit vier USB-2.0-Ports.

Und zum ersten Mal, seit ich mit USB-Geräten arbeite, bin ich in tatsächlich in der Lage, mal eben rasch einen Scanner anzuschließen, Bilder von der Digitalkamera auf den PC kopieren oder einen Speicherstick zu benutzen, ohne mich dabei verrenken oder im Dunkeln stochern zu müssen.

Da bleibt nur die Frage, warum die PC-Hersteller so einen Hub nicht einfach mitliefern, statt uns mit unbrauchbaren Gehäuse-Designs zu plagen.


Ihr Kommentar Name (erforderlich):

Mail (wird nicht publiziert) (erforderlich):

Website: