Mängelexemplare & Remittenden

Freitag, 20. April 2007, 16.48 Uhr

Als Student waren sie mir äußerst lieb, die in regelmäßigen Abständen im „Modernen Antiquariat“ gegenüber der Uni angekarrten „Mängelexemplare“ der großen Verlage – LKW-weise verlagsneue Bücher, deren einziger „Mangel“ in einem schwarzen Strich auf dem Buchblock bestand, der eigens angebracht wurde, damit die Bücher als Mägelexemplare von der Preisbindung ausgenommen zu Schleuderpreisen verramscht werden konnten. So habe ich etliche Suhrkamp- und Diogenes-Titel zum halben Preis oder noch weniger bekommen, darunter auch komplette Werkausgaben wie etwa die Mark-Twain-Ausgabe von Hanser oder den (fast) kompletten Robert Walser von Suhrkamp.

Damit wird, wie das Börsenblatt des deutschen Buchhandels meldet, früher oder später wohl Schluss sein:

Neue Gerichtsentscheidung zum Thema Mängelexemplare

Die Frage, wann ein Buch zum Mängelexemplar wird, hat das Landgericht in Darmstadt in einem soeben verkündeten Urteil vom 3. April einmal mehr im Sinne der Preisbindung geklärt: Remittenden ohne äußere Mängel sind verlagsneue Bücher, stellte das Gericht fest. […]

Schlechte Zeiten für Studenten. Aber die, so habe ich mir sagen lassen, lesen ja eh nichts mehr.


Ihr Kommentar Name (erforderlich):

Mail (wird nicht publiziert) (erforderlich):

Website:

Keine Kommentare zu „Mängelexemplare & Remittenden“

Johannes Molitor schrieb am 22. Mai 2007, um 22.41 Uhr

Man muss nur geschickt formulieren. Bei 2001 gibt’s schon lang die billigsten Bücher – druckfrisch, noch eingeschweißt – mit dem Hinweis : „Leicht angestoßen“.
Und da soll mal einer das Gegenteil beweisen.