Meedia ist da. Wenn Sie 30 Sekunden warten

Montag, 14. Juli 2008, 13.56 Uhr

Eine kleine Preisfrage vorweg: Woran erkennt man ein überlastetes Typo3-System? Daran:

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If this message does not disappear within 30 seconds, please reload.

Diese Meldung bekam ich heute mehrfach bei dem Versuch,  Meedia aufzurufen. Dabei handelt es sich um eine seit Wochen und Monaten in der Medienszene gehypte Site, die nach eigenem Verständnis „Deutschlands Medien-Portal“ und das jüngste Projekt von Dirk Manthey (Tomorrow, Max, Cinema, Fit for Fun …) ist.

Bislang wurde Meedia nur hinter veschlossenen Türen gezeigt und das Geraune und Gemunkel war groß: „Spannend“ twitterte Focus-Online-Chef Jochen Wegner, als „ersten spontanen Eindruck“ und der elektrische Reporter Mario Sixtus hatte gar „das Ende von Turi, Kress & Co. gesehen“.

Derart neugierig gemacht, ertrug ich selbst die sonst ebenso unerträgliche wie unverschämte 30-Sekunden-Meldung von Typo3, es hat sich aber nicht sonderlich gelohnt. (Nebenbei – es ist mir ein Rätsel, wie ein System wie Typo3 jemals so groß werden konnte, wie es heute ist. Aber man muss ja nicht alles verstehen.)

Meedia sieht ja ganz nett und aufgeräumt aus, aber man sollte sich davor hüten, etwas tiefer zu schürfen. Da werden Seitenaufrufe nach Mausklick wie die Seitenübergänge einer PowerPoint-Präsentationen gestaltet oder die Meldung, die man gerade liest, blendet sanft aus und macht der nächsten Platz. Weiter scheint das Verständnis der „neue Medien“ bei Deutschlands Medien-Portal nicht zu reichen. Wer da etwa meint, er könne selbst bestimmen, was er wann liest, der wird von Meedia mit sanfter Hand eines Besseren belehrt.

Die Artikel sind in typischer Manthey-Manier: Wenig Inhalt, nett aufbereitet und alle 500 Zeichen ein Foto (was zum teilweise absurden Einsatz von Symbolbildern führt).

Irreführend wie immer die Schlagzeilen. Wer sich zum Beispiel nach einem Klick auf „Old Media“ wird an die Wand gedrängt eine Artikel über eben dieses Thema erwartet, der bekommt statt dessen eine mit einigen Javascripttricks aufgepeppte klassische Print-Strecke, inklusive Aufmacher-Foto, das man ersteinmal wegklicken muss, um zum Artikel zu gelangen, den man eigentlich lesen wollte.

Das heißt – das, was dann kommt, wollte man natürlich nicht lesen. Denn statt des erwarteten Artikels, wie Old School Media an die Wand gedrängt wird, bekommt man eine kreuzlangweilge und gediegen unoriginelle Zusammenstopplung von „20 aktuellen Medien-Trends“, die allesamt schon ein wenig ranzig geworden sind. Wer glaubt, er könnte die Trendmeldungen immerhin einmal rasch in einer Übersicht überfliegen, der täuscht sich und muss sich von Trend zu Trend durchklicken.

Kurz: Meedia ist langweilig, altbacken, hat eine Medienverständnis, das über den engen Horizont von PowerPoint nicht hinausreicht und orientiert sich an einem Zeitschriftenverstädnis, das sich selbst an TV-Strukturen ausrichtet. Das war im Print-Bereich so vor rund 20 Jahren mal echt der letzte Schrei. Im Internet ist dergleichen eher deplaziert.

Schlimmer noch: Für ein New Media Site ist soviel Old School fast schon eine Bankrotterklärung.