Metaphernwucherungen

Samstag, 22. Juli 2006, 21.59 Uhr

Manchmal trägt es PR-Autoren im Rausch der schiefen Metapher mit Schmackes aus der Kurve.

Wenn Sie aber einen Windows-Rechner haben, lauert darin ein verstecktes Problem,

Windows?

das schliesslich zur Verstümmelung und zum Tod Ihres Systems führen wird.

Windows!

Dieses versteckte Problem nennt man Fragmentierung,

ach so.

Das heimtückische Wesen der Fragmentierung liegt in der Tatsache, dass sie ein leiser Killer des Computersystems ist. Wie ihr biologisches Pendant metastasiert die Fragmentierung langsam durch das System, wächst und würgt Ressourcen durch seine Verstopfung des Systems mit Bits und Daten ab.

Und was genau ist das jetzt, die „Fragmentierung“?

Fragmentierung ist die Streuung von Information über die Festplatte in nicht miteinander verbundenen Bits und Teilen. Dies geschieht, weil beim Schreiben von Informationen auf die Festplatte nicht alle Dateien exakt zusammen als ein Teil, wie es sein müsste, gelegt werden können. Wenn die Datei zu gross ist, um als ein Teil zusammen an einer Stelle abgelegt zu werden, teilt das Betriebssystem die Datei auf, indem Teile der Datei dort abgelegt werden, wo das Betriebssystem Platz findet.

Hä?

Anders ausgedrückt ist die Fragmentierung im System integriert, und ob Sie es glauben oder nicht, die meisten Computer haben bereits Fragmentierung, bevor Sie sie das erste mal zu Hause benutzen.

Ah ja. Fragmentierung ist die ins System integrierte Streuung geteilt aufgeteilter Teile an abgelegten Plätzen. Oder so. Muss einem doch gesagt werden.

Und gegen diesen heimtückischen Killer kann man gar nichts machen? Doch da naht die Rettung:

Ein Defragmentierungsprogramm nimmt alle verstreuten Informationsteile und legt sie so zusammen, wie sie von Anfang an gelegt werden hätten müssen.

Äh … Aber gut, man ahnt, was gemeint ist und atmet auf. Zu früh, wie man sofort liest:

Aber sehen Sie sich vor! Genau wie in der Medizin werden nicht alle Defragmentierungsprogramme gleich.

Ah ja. An dieser Stelle hab ich dann aufgegeben, diese Pressemitteilung von Diskeeper verstehen zu wollen.

Immerhin – in der Überschrift artikuliert sich das schlechte Gewissen der Autoren:

Defragmentierung als Abhilfe gegen „Computerkrebs“?

Selten war ein Fragezeichen verräterischer.


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