Mist (2)

Sonntag, 15. August 2010, 10.00 Uhr

„Computer, what is the mist I’m seeing?“
Dr. Beverly Crusher, Remember me

„Computer, was ist das für ein Mist, den ich da sehe?“
Dr. Beverly Crusher, Das Experiment

Natürlich ist es schlicht kommerzielles Kalkül, das die deutsche Titelwahl bestimmt, aber nur selten ist es so deutlich greifbar wie beim australischen Film The Hard Word, der sich als The Australian Job bis in die Covergestaltung der DVD (und wohl auch beim Filmplakat) beim Italien Job bediente:

Plakat Italien Job Plakat australien job

* * *

Hitchcocks Thriller im Bühnenmillieu heißt im Original passend Stage Fright, die korrekte Übersetzung „Lampenfieber“ gibt aber leider nur eine blasse Ahnung und ist als Filmtitel wohl eher ungeeignet. Keine Frage, da musste man sich etwas Neues einfallen lassen – aber musste es denn ausgerechnet Die rote Lola sein?

* * *

Mit Zahlen tun sich die deutschen Filmbetitler besonders schwer und greifen immer wieder begeistert daneben. Müssen bei 7 Men from now noch sieben Menschen ins Gras beißen, weiß der deutsche Titel nur von einem: Der Siebente ist dran. Umgekehrt verschwindet The Ninth Gate spurlos in den Neun Pforten der deutschen Fassung.

* * *

Sie können noch nicht einmal bis drei zählen. Das Trio The Good, the Bad and the Ugly schrumpft in der Eindeutschung zu Zwei glorreiche Halunken zusammen. Lost in Translation, gewissermaßen.

* * *

Wenn mal keine Zahl auftaucht, erfindet man rasch eine und macht aus dem Wortspiel Once upon a crime ein launiges 7 Gauner und ein Dackel. Wir können auch komisch!

* * *

Manchmal liegt ein deutscher Titel auch komplett daneben, wenn er korrekt zu sein scheint. So wurde aus The Friends of Eddie Coyle zum Beispiel Eddie Coyle und seine Freunde. Nah genug dran, möchte man meinen. Ist der deutsche Titel aber leider nicht. Der klingt nach einer Jugendbande, einem lustigen Haufen, oder vielleicht auch nach einem gefährlichen, es ist schließlich ein Gangsterflm. So könnte man einen Heist-Film betiteln, in dem das Mastermind Eddie Coyle auf raffinierte Weise einen Bank ausräumt. Doch davon erzählt der (nebenbei: exzellente) Film von Peter Yates nicht. Sondern von dem kleinen, alten Gangster Eddie Coyle, der als Informant für die Polizei arbeitet und zwischen die Fronten gerät. Und der feststellen muss, dass er keine Freunde hat.

* * *

Marcel Conseé macht in den Kommentaren zum ersten „Mist“-Beitrag auf ein aktuelles und besonders schönes Beispiel für den ungebrochenen Willen zum größtmöglichen Quatsch aufmerksam. Der spanische Film Titel Yo, también, den man einfach mit „Ich auch“ betiteln könnte, läuft hierzulande unter einem völlig verschwurbelten Me too – wer will schon normal sein?

Wird fortgesetzt.


Ihr Kommentar Name (erforderlich):

Mail (wird nicht publiziert) (erforderlich):

Website:

Keine Kommentare zu „Mist (2)“

Alberich schrieb am 15. August 2010, um 15.37 Uhr

@Trio

„Na Ihr zwei, habt ihr noch einen mitgebracht ?“

so zählen zwar weder die Indianer noch die Ostfriesen, aber vielleicht die indianischen Ostfriesen oder die ostfriesischen Indianer, um niemand zu nahe zu treten …

🙂

Warum der Film mit dem Originaltitel „We are not alone“ in der deutschen Fassung
„Ihr seid nicht allein“ heißt, wird sich vermutlich nicht mehr aufklären lassen.
Dass dem Film „Adaptation“ (=Adaptation) der deutsche Verleihtitel „Adaption“ (=Adaptation) verpasst wurde, kann möglicherweise einen Grund haben. Kann, muss aber nicht.

[…] ein kleines Special zu Alfred Hitchcock. „Stage Fright“ / „Die rote Lola“ wurde bereits in Mist (2) gewürdigt, aber das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs aus […]