Mist (4)

Sonntag, 29. August 2010, 13.19 Uhr

„Computer, what is the mist I’m seeing?“
Dr. Beverly Crusher, Remember me

„Computer, was ist das für ein Mist, den ich da sehe?“
Dr. Beverly Crusher, Das Experiment

Beliebt ist auch die Unsitte, den Originaltitel mit einer deutschen Dreingabe zu übernehmen. Glück hat man, wenn es sich dabei wie bei The Village – das Dorf um eine Übersetzung handelt (bei der man sich nur noch fragt, warum man sich nicht einfach darauf beschränkt hat). Doch nur zu häufig müssen die Titeltexter partout ihre Duftmarke hinterlassen. Dann werden sie wie bei Miracle – Das Wunder von Lake Placid oder Scarface – Toni, das Narbengesicht unnötig geschwätzig, wenn sie nicht gleich ganz vom Weg abkommen: Grosse Point Blank – Ein Mann, ein Mord, bzw., weil wir gerade so gut drauf sind, auch: „Grosse Point Blank – Erst der Mord, dann das Vergnügen“. Den deutschen Titeltextern sitzt halt der Schalk im Nacken.

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Dass es auch anders geht, zeigt die erste Fassung von Scarface aus dem Jahr 1932, die als Das Narbengesicht nach Deutschland kam. Auch George Cukors The Women (1939) konnte noch schlicht als Die Frauen im deutschen Fernsehen laufen. Beim Remake von 2008 war das natürlich völlig unmöglich, da führte kein Weg an The Women – Von großen und kleinen Affären vorbei.

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Ärgerlich wird es, wenn ein Filmtitel in seiner Bedeutung komplett umgedreht wird, zum Beispiel bei Saving Private Ryan. Es geht bei Spielberg in Titel und Film um Rettung in jeder nur denkbaren Bedeutung. In Deutschland aber pervertiert man ihn, hebt auf typisch Deutsches, also Soldatisches, ab und verwirft die Rettung zugunsten des Soldat James Ryan. Das Plakat unterstreicht durch Nachahmung des Originals die Umdeutung. Wird bei diesem „Saving“ gefettet, so in der deutschen Version „Soldat“:

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Der müde Indiana-Jones-Abklatsch The Librarian: Quest for the Spear ist ein schlechter TV-Film. Aber das gibt den deutschen Titelgebern nicht unbedingt das Recht, ihn als The Quest – Jagd nach dem Speer des Schicksals den deutschen Fernsehzuschauern zuzumuten. Zumal sie sich damit ein kleines Problem eingefangen haben, ist „The Librarian“ doch der Serientitel einer kleinen Trilogie. Der nächste Film hieß The Librarian: Return to King Solomon’s Mines. Daraus wurde das eher sinnfreie: The Quest – Das Geheimnis der Königskammer. 2008 erschien mit The Librarian: The Curse of the Judas Chalice der dritte Teil, der laut IMDB als The Quest – Der Fluch des Judas Kelch erschien. Schade nur, dass die Verwandlung des „Judaskelchs“ zwar auch in einigen deutschen Publikationen zu finden, aber doch einfach nur ein Verleser ist:

Dass es „des Judaskelchs“ oder „des Judas’ Kelch“ oder „des Kelchs des Judas“, aber nimmermehr „des Judaskelch“ heißen müsste, mag das Missverständnis erklären.

Wird fortgesetzt.


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