Mist (6)

Dienstag, 26. Oktober 2010, 21.16 Uhr
„Computer, what is the mist I’m seeing?“
Dr. Beverly Crusher, Remember me

„Computer, was ist das für ein Mist, den ich da sehe?“
Dr. Beverly Crusher, Das Experiment

Schwierigkeiten bereiten den Titeltextern immer wieder etwas ungewöhnliche Wortschöpfungen wie etwa The Imaginarium of Doctor Parnassus. Das seltsame Wort „Imaginarium“ hätte man ja einfach so stehen lassen können, aber am Ende kämen die deutschen Kinogeher noch ins Grübeln und dann hätte man den Salat. Nein, das Publikum wird caligarimäßig mit einem „Kabinett des Doktor Parnassus“ geködert, das nun zwar weder etwas mit dem „Imaginarium“ noch im entfernsten mit dem Film zu tun hat, aber dergleichen Skrupel sind den Eindeutschern bekanntlich fremd.

* * *

Schwierig sind auch Redewendung, Gedichte oder Lieder. Ein Titel wie Aldrichs Hush … hush, Sweet Charlotte ist sicher nicht leicht zu übersetzen (zumal, wenn ich mich recht erinnere, das titelgebende Liedchen – „Hush hush, sweet Charlotte / Charlotte, don’t you cry / Hush hush, sweet Charlotte / I’ll love you till I die“ – im Film nicht übersetzt wird). Aber muss es denn wirklich das reißerische und grundverkehrte „Wiegenlied für eine Leiche“ sein?

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Bleiben wir kurz bei Robert Aldrich. Von dem stammt auch der großartige Film The Legend of Lylah Clare, der im Deutschen leider nur als „Große Lüge Lylah Clare“ in die Kinos kam. Auch The Killing of Sister George spukte hierzulande unter dem eher irreführenden Titel „Das Doppelleben der Sister George“ über die Leinwand. Dabei haben die beiden Filme noch Glück gehabt, so richtig richtig sind die deutschen Titel zwar nicht, aber so lächerlich daneben wie bei Emperor of the North Pole liegen sie dann nun auch wieder nicht: Ein „Zug für zwei Halunken“ geht nun aber gar nicht. (Wer die genannten Filme noch nicht gesehen hat, sollte diese Lücke übrigens möglichst bald stopfen.)

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Eine unerschöpfliche Fundgrube sind auch Western, bei denen die Phantasie der Titeltexter regelmäßig komplett durchdreht. Da wird die Decision at Sundown zu einer „Fahrkarte ins Jenseits“, My Darling Clementine muss dem „Faustrecht der Prärie“ weichen, die 3 Godfathers verblassen zu „Spuren im Sand“, bei She Wore a Yellow Ribbon fährt dann gleich „Der Teufelshauptman“ drein, der Wagon Master findet sich „Westlich St. Louis“ wieder und auf The Horse Soldiers wartet nur noch „Der letzte Befehl“.

Wird fortgesetzt.


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Hm, die Wikipedia behauptet in http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Cabinet_des_Dr._Caligari : „In vielen Elementen diente „Das Cabinet des Dr. Caligari“ als Vorlage für Terry Gilliam’s Das Kabinett des Dr. Parnassus („The Imaginarium of Doctor Parnassus“).“

Das ist Quatsch. Sach ich mal so, auch wenn ich Caligari sehr lange nicht gesehen haben. Aber bei Aussagen, die mit „In vielen Elementen … “ beginnen und im Fortgang noch nicht mal 1 klitzekleines Beispiel bringen können, denke ich mir eh meinen Teil. Zum Beispiel, dass der Wikipedia-Autor sich vom dt. Verleihtitel hat verführen lassen. Die IMDB listet übrigens keine Verbindung zwischen den beiden Filmen auf – ok, das will auch nicht viel heißen, aber normalerweise hören die da auch die Flöhe husten.

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