Mist (8): Kleines Louis-de-Funès-Special

Sonntag, 27. Juli 2014, 14.55 Uhr

Meine Güte, time flies – das letzte Mist-Update ist vom Januar 2013. Da wird es aber Zeit. Und wie es der Zufall will, bietet der 100. Geburtstag von Louis de Funès willkommene Gelegenheit, der Anregung eines Lesers zu folgen und einmal kurz die Nase über diese spezifischen Senk- und Sickergruben deutscher Titelkunst zu halten. Sein riesiges Werk – laut IMDB spielte er in 155 Filmen mit – verspricht da reiche Beute. Und wir werden nicht enttäuscht – atmen Sie schon einmal tief durch, Sie werden es brauchen.

***

Louis de Funès’ Komik zeichnet sich durch exzessive Mimik, Klamauk und ein aberwitziges Tempo aus. Was liegt da für einen deutschen Titeltexter näher, als den Irrwitz der Filme durch ausgesucht alberne Titel zu unterstreichen, die, überflüssig zu erwähnen, mit den Originaltiteln in aller Regel nicht einmal im Ansatz etwas zu tun haben. Sie wollen Beispiele? Bitte sehr (aber sagen sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt): „Ein Giftzwerg macht Rabatz“ („Le tatoué“), „Der Brausekopf mit den Sausebeinen“ („Les grandes vacances“), „Scharfe Sachen für Monsieur“ („Le corniaud“), „Scharfe Kurven für Madame“ („Le grand restaurant“), „Onkel Paul, die große Pflaume“, auch: „Die Giftnudel“, „Der Familienschreck“ oder „Louis, der Giftzwerg“ („Hibernatus“) … das reicht? Da haben Sie recht.

***

Da das deutsche Kinopublikum in den Augen deutscher Titeltexter ein ausgesucht dummes ist, das man nicht durch ungewohnte oder gar ungewöhnliche Titel überfordern darf, verpasst man den Filmen von Loius de Funès häufig einen konditionierenden Reihentitel, an den sich der Zuschauer gewöhnen soll: Wo „Balduin“ drauf steht, kann ja nur was Albernes drin sein. Immerhin: Die Alternativen „Louis“ und „Oscar“ haben für sich, dass die eine auf den Namen des Hauptdarstellers verweist, die andere tatsächlich der Originaltitel eines seiner Filme ist.

***

Und so sind Titel wie „Louis und seine verrückten Politessen“, „Louis, der Geizkragen“, „Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe“, „Louis, die Schnatterschnauze“ (auch als: „Louis, lass die Leiche liegen“), „Balduin, der Sonntagsfahrer“, „Balduin, der Schrecken von St. Tropez“, „Balduin, der Heiratsmuffel“, „Bei Oscar ist ’ne Schraube locker“ oder „Oscar hat die Hosen voll“ (alternativ auch: „Oscar hat die Nase voll“ – sie sind schon ein Ausbund an Einfallsreichtum und Kreativität, unsere Titeltexter) leider die triste Regel, die jeden Orginaltitel auf denkbar dümmste Weise plattklopfen.

***

Für ein wenig Amüsement in der Titeltrostlosigkeit sorgt da, dass es für viele Filme gleich mehrere deutsche Titel gibt, bei denen der zur Marke erhobene Name beliebig getauscht wird. So kurvt „Balduin, der Sonntagsfahrer“ auch als „Oscar, der Zick-Zack Fahrer“ durch den Film; „Balduin, der Schrecken von St. Tropez“ sorgt auch als „Louis, der Schrecken von St. Tropez“ am Badeort für Ordnung (wenn er nicht – immer noch der gleiche Film – als „Louis in geheimer Mission“ unterwegs ist); „Le gendarme se marie“ heißt wahlweise „Balduin, der Heiratsmuffel“ oder „Louis, der Schürzenjäger“, „Balduin, das Nachtgespenst“ spukt auch als „Oskar lässt das Sausen nicht“ herum. Und so weiter und so fort – Sie können Stunden damit verbringen, sich durch die IMDB zu klicken und aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauszukommen.

***

Selbst, wenn der Titel „Oscar“ tatsächlich einmal dem Original entspricht, können es die Titeltexter nicht lassen und müssen den Film partout als „Louis, der Traumtänzer“ und für die ganz Dummen als „Louis und Oscar“ herausbringen.

***

Natürlich konnte man auch nicht auf die Unsitte verzichten, dem Titel erläuternde Dreingabe anzuhängen. So wird aus dem lautmalerischen „Pouic-Pouic“ nicht nur ein akzeptables „Quietsch… quietsch“, nein, man muss auch gleich noch „Wer bohrt denn da nach Öl?“ anhängen. Dass dieser Film auch unter dem Titel „Gauner, Gags und Geldgeschäfte“ kursiert, macht die Sache nun wirklich nicht besser.

***

Trägt ein Film einen Namen als Titel, den man ganz einfach übernehmen könnte, geht das natürlich auch nicht. Und so wurde aus „Jo“ der völlig bescheuerte Titel „Camouflage – Hasch mich, ich bin der Mörder“. Aber Moment einmal: Name im Titel? Das geht doch auch im Deutschen. Und also gibt es den Film auch als „Louis mit dem Leichentick“

***

Übrigens gibt es auch seinen vielleicht besten Film „Oscar“ hierzulande mit Anhängsel: „Oscar, der Korinthenkacker“. (Oha, ein etwas anrüchiges Wort im Titel! Mei, die traun sich was, die Titeltexter!)


Ihr Kommentar Name (erforderlich):

Mail (wird nicht publiziert) (erforderlich):

Website:

Ein Kommentar zu „Mist (8): Kleines Louis-de-Funès-Special“

Nein!
Doch!
Oooh!