Mist (9) – Blättern in der epd film 8/14

Donnerstag, 31. Juli 2014, 12.08 Uhr

Die aktuelle epd film ist gekommen und ich habe gerade etwas Zeit. Blättern wir doch mal ein wenig durch die Filmneuheiten der nächsten Wochen.

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„Tom à la ferme“ heißt der vierte Film des kanadischen Regisseurs Xavier Dolan, der international „Tom at the Farm“ heißt, hierzulande aber natürlich nicht einfach „Tom auf dem Bauernhof“ heißen darf, sondern nur unter einem Titel in die Kinos kommen darf, der wohl das Motto der anonymen Titelverhunzer zu sein scheint: „Sag nicht, wer du bist“. Ist vielleicht auch besser so.

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Nicht immer hinterlassen die Titeltexter ihre Duftmarken. Die „Planet der Affen“-Filme (1968–1973) zum Beispiel kamen nie unter einem seltsamen Titel in die Kinos, sondern hießen ganz bieder so, wie sie halt hießen. Das wirkt nach. Da mag einem noch so sehr der kreative Schreibfinger gejuckt haben – aber Tim Burtons Remake „Planet of the Apes“ musste hierzulande einfach unter dem Titel erscheinen, unter dem auch das Original bekannt ist: „Planet der Affen“. Schon beim nächsten Film nahm man allerdings keine Rücksichten mehr und brachte „Rise of the Planet of the Apes“ als „Planet der Affen: Prevolution“ in die Kinos. Da überrascht es nicht, dass „Dawn of the Planet of the Apes“ nun als „Planet der Affen: Revolution“ in die Kinos kommt. Ich bin ja mal neugierig, wie die für 2016 geplante Fortsetzung heißen wird – „Planet der Affen: Konterrevolution“? „Planet der Affen: Reaktion“? Oder vielleicht belässt man es auch einfach beim aktuellen Arbeitstitel: „Untitled Rise of the Planet of the Apes Sequel“. Reicht doch.

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Ok, die Titel der „Planet der Affen“-Filme sind etwas unhandlich zu übersetzen und die „Prevolution/Evolution“-Lösung unter’m Strich vielleicht doch nicht so blöd, wie es auf den ersten Blick aussieht. Das gilt auch für die deutsch-kanadische Coproduktion „Hector and the Search for Happiness“, der hierzulande „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ heißt. Da möchte man schon spotten – doch halt! Es gibt einen sehr guten Grund für den deutschen Titel. Denn der Film basiert auf einem Roman von François Lelord der wie heißt? Genau: „Le voyage d’Hector ou la recherche de bonheur“.

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Nanu, sollten die Titeltexter diesen Monat tatsächlich einmal weniger Mist bauen als gewohnt? Aber nicht doch, das sei Lasse Hallström neuer Film „The Hundred-Foot Journey“ vor. Der kommt hierzulande nämlich unter einem Titel von erlesener Dämlichkeit heraus: „Madame Mallory und der Duft von Curry“. Puh.

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Einmal umblättern, und schon stolpert man über die nächste Torheit: „Begin Again“ von John Carney heißt, na, raten Sie mal. … Ach, ich sag’s Ihnen, da kommen Sie nie drauf: „Can a Song Save Your Life?“. Tja. Als einzige Entschuldigung kann hier nur angeführt werden, dass das laut IMDB der weltweite Arbeitstitel des Films war.

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„Svecenikova djeca“ heißt ein kroatischer Film, was sich laut Google Translate wohl mit „Die Kinder des Priesters“ übersetzen lässt und dessen weltweiter Titel dann auch „The Priest’s Children“ lautet. Dergleichen geht hierzulande natürlich gar nicht, da gibt man dem Film lieber ein peinliches „Gott verhüte!“ mit auf dem Weg (was laut Besprechung der epd film natürlich „zum Glück ein Etikettenschwindel“ ist).

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Und es hört und hört nicht auf: Wie könnte man wohl „Une recontre“ übersetzen. „Eine Begegnung“? Bah, zu langweilig. Mal sehen: Frankreich, Romantik, Komödie, Sophie Marceau – ah, so geht’s: „Ein Augenblick Liebe“.

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Im französischen Original heißt die neue Komödie mit Dany Boom so wie der für die meisten unaussprechliche Vulkan, nämlich „Eyjafjallajökull“. Aber das sagen wir dem Publikum besser noch mal, dass das dieser unausprechliche Vulkan ist. Schließlich ist es schon vier Jahre her, dass der den Flugverkehr lahm legte. Und nennen den Film lieber in der bewährten deutschen Tradition, einer Komödie möglichst auch einen dämlichen Titel anzuhängen „Eyjafjallajökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm“. Na denn.


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