Müll-Mails

Montag, 29. Januar 2001, 14.45 Uhr

Immer mehr Agenturen verschicken ihre Information per E-Mail. Leider.

E-Mail ist das perfekte Kommunikationswerkzeug: Einfach, schnell, effizient. Kein Wunder, daß sie dort immer mehr Freunde findet, wo man sich professionell mit Kommunikation beschäftigt – in den Werbe- und Presseagenturen. Immer häufiger werde ich gefragt, ob ich die Presse-Informationen ruckzuck per Mail oder doch lieber zwei Tage später mit der Schneckenpost bekommen möchte. Snail-Mail oder E-Mail? Keine Frage – it’s E-Mail or nothing. Doch was seit dem über mein Postfach hereinbricht, ist ein in seinem Ausmaß erschütterndes Dokument digitalen Dilettantentums, wie selbst ich es als notorischer Nörgler und Schwarzseher nicht für möglich gehalten hätte. Kaum eine Agentur, die sich mit den elementaren Funktionen von Mail auskennte, kaum ein Absender, der sich Gedanken darüber machte, wie seine Nachricht wohl beim Empfänger ankommt. Das beginnt bei so simplen Dingen wie Zeilenumbruch und Zeichensatz. An Mails mit überlangen Zeilen, häßlichen Umbrüchen und kryptischen Codes statt Umlauten habe ich mich längst gewöhnt, ihr Löschen ist gelassene Routine. Doch über eine Mail, die statt Botschaft nur noch Bote ist, der ein Word-Dokument im Anhang mit sich herumschleppt, staune ich immer wieder: Glauben die Absender allen Ernstes, ich würde erst umständlich meine Textverarbeitung starten, die Presse-Info gar ausdrucken? Warum sollte ich das tun, wenn ich bei Bedarf im Internet nach Herzenslust in Presse-Archiven stöbern kann? Aber der Gipfel des Unverstandes ist erreicht, wenn aus der flinken Mail ein träger Klops wird, wie er mir mindestens einmal im Monat dumpf ins Postfach plumpst: Da kommen schon mal 2 MByte und mehr zusammen – weil der Absender unbedingt seine digitale Duftmarke in Form eines gänzlich überflüssigen Firmenlogos hinterlassen will. Dann doch lieber wieder Papier – das ist geduldiger als ich. Also, liebe Agenturen – bevor ihr E-Mail einsetzt, fragt doch bitte jemanden, der sich damit auskennt. Euch wäre geholfen. Und mir erst recht.

Zuerst erschienen in: Kress-Report, 5/2001


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