Musik, zwo, drei, vier

Mittwoch, 9. Juli 2003, 13.59 Uhr

Wenn es um Geld geht, hört der Spaß bekanntlich auf. Und bei der Spaß- und Unterhaltungsindustrie geht es um sehr viel Geld: Rund 12 Milliarden Dollar scheffeln allein die großen US-Labels pro Jahr. Kein Wunder, dass die RIAA – die „Recording Industry Association of America“ – bei der Verteidigung ihrer Pfründe auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschreckt. Wenn man sich nicht gerade in orwellschen Überwachungsphantasien ergeht, Playersoftware infiltrieren, Privatkopien abschaffen oder Tauschbörsen digital torpedieren will, verklagt man vier MP3 tauschende Studenten auf rund 100 Millionen Dollar Schadenersatz. Dass daraus am Schluss 59.000 Dollar wurden, ist immer noch skandalös genug – schließlich fuchtelt die RIAA mit nichts als einer blanken, gänzlich unbewiesenen Behauptung herum, während die Vermutung, Tauschbörsen fungierten im Großen und Ganzen als globaler Vorspielservice kritischer, aber durchaus kaufwilliger Menschen, eine solide empirische Basis besitzt. Doch trösten wir uns, das digitale Grabgeläut hat schon begonnen, wir sind lediglich Zeugen des Todeskampf eines überzüchteten Vielfraßes, bei dem naturgemäß eine Menge zu Bruch geht. Apples „Music Store“, der in der ersten Woche bereits rund eine Million Songs verkaufte, beweist nicht nur, dass MP3-Nutzer durchaus bereit sind, für digitale Musik zu zahlen, wenn Preis & Qualität stimmen. Sondern auch, dass Organisationen wie die RIAA in vernetzten Zeiten nichts als überflüssiger Ballast sind.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 7/2003


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