Neues von Onkel Anders aus Afrika. Oder: So funktioniert die »Nigeria-Connection«

Montag, 30. Oktober 2006, 13.20 Uhr

Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle einmal eine lustige Mail aus dem Umfeld der sog. Nigeria-Connection dokumentiert. Darin ging es um einen angeblichen Onkel Anders aus Afrika, der mir angeblich ein paar Millionen hinterlassen habe.

Zu diesem Eintrag gab es nicht nur erstaunlich viele Kommentare, sondern auch gelegentlich einige private Anfragen, was man mit so einer Mail denn tun solle und wie das Betrugsverfahren eigentlich funktioniere.

Da ich mich bereits an anderer Stelle gelegentlich zu diesem Thema geäußert habe, mache ich es mir mal ganz einfach, und setze einen dieser Texte hier her:

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Neben Spam, Viren und Phishing-Mails landen in meinem Junk-Ordner mit unschöner Regelmäßigkeit auch jede Menge überaus windige Geschäftsangebote.

Hier werden mir meist in englischer Sprache und mit Betreffzeilen Confidential oder Business Opportunity immer wieder die seltsamsten – nein, »Angebote« kann man dergleichen eigentlich nicht mehr nennen, das klingt viel zu seriös. Denn hier geht es eindeutig um obskure Deals am Rande der Legalität – oder auch deutlich darüber hinaus.

Ein Angebot zur Geldwäsche – gegen Vorschuss

So unterschiedlich die Absender und Aufmachung, so ähnlich sind sich diese Mails doch. Darin geht es immer um Geldbeträge in Millionenhöhe, die aus einem meist afrikanischen Land geschafft werden sollen, bevor die jeweilige und natürlich durch und durch korrupte Regierung das Geld unrechtmäßig an sich bringt.

Das Geld stammt angeblich aus Lotto-Gewinnen oder Erbschaften, manchmal ist es auch einfach herrenloses Bargeld, das nur darauf wartet, dass es jemand einsteckt.

Der Absender der Mail gibt sich als der eigentlich rechtmäßige Besitzer aus, oder als Bank-Mitarbeiter, der Zugriff auf ein vergessenes Konto hat, gelegentlich auch als unauffälliger Angestellter eines Ministeriums, bei dem in den chaotischen politischen Zuständen ein Sack voll Geld gelandet ist oder als Witwe eines ausländischen Geschäftsmannes, der irgendwo im Dschungel afrikanischer Großstädte ermordet wurde und dessen Barschaft nun in Sicherheit gebracht werden soll.

Nun wird sich jeder Empfänger fragen, warum ausgerechnet er diese Mail erhält, aber auch dafür gibt es natürlich eine Erklärung: Der Empfänger sei dem Absender als besonders vertrauenswürdiger Geschäftspartner empfohlen worden und man bittet natürlich um strengste Diskretion. Die Kalkulation hinter dieser Behauptung: Ein gutgläubiger Empfänger einer solchen Mail wird hier einen Irrläufer vermuten – und für sich die einmalige Chance wittern, mit ein wenig Mühe einmal so richtig abzusahnen.

Denn natürlich hat die Sache einen kleinen Haken, natürlich kann man nicht einfach hingehen, und das Geld abholen. Immer muss ein Hindernis in Form eines korrupten Beamten oder dergleichen überwunden werden, für den man ein paar hundert oder tausend Dollar Bestechungsgeld benötigt.

Der Deal ist nun folgender: Zwar hat der Absender etliche Millionen in Reichweite – aber keinen direkten Zugriff. Und natürlich auch keine nennenswerten Mittel. Wenn ihm nun allerdings der Empfänger einen gewissen Betrag überweist, zum Beispiel 10.000 Dollar, dann könnte etwa ein Beamter vor Ort bestochen werden und der Weg zum Millionen-Jackpot wäre frei. Nach erfolgtem Coup würde man natürlich ein paar Hunderttausend Dollar Anteil bekommen.

Die Nigeria-Connection

Da bei diesem Betrugsmuster das Opfer einen Vorschuss leisten soll, werden sie offiziell als Vorschuss– oder Vorauszahlungsbetrug bezeichnet. Inoffiziell heißen sie allerdings Nigeria-Connection, weil diese Betrugsmasche durch überwiegend nigerianische Banden mit Fax, Briefpost und, natürlich, E-Mail im großen Stil betrieben wurde und wird. Das nigerianische Strafgesetzbuch widmet sich im Paragraph 419 diesem Betrug, weshalb hier auch manchmal die Rede von »four-one-niner« oder »419er« ist.

So absurd diese Mails auch klingen, so ernst, ja, lebensgefährlich ist ihr Hintergrund. Hier hat man es nicht mit eher harmlosen Trickbetrügern zu tun, sondern mit organisierten Banden, die auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschrecken.

Um so erfreulicher ist daher eine aktuell Meldung aus Nigeria. Hier nämlich hat ein Gericht einen solchen Online-Betrüger wegen Verstoßes gegen den Paragraphen 419 zu insgesamt 376 Jahren Haft verurteilt. Überführt wurde der Betrüger nur, weil das Opfer – ein Geschäftsmann aus den USA, der insgesamt bereits zwei Millionen (!) Dollar an den Betrüger gezahlt hatte, um an die versprochenen 20 Millionen zu kommen – ihn vor Ort identifiziert hat.

Bleibt nur noch die Frage offen, wie es möglich ist, dass jemand als Geschäftsmann erfolgreich genug ist, um zwei Millionen Dollar aufzubringen – und gleichzeitig doch so unglaublich dumm, auf ein derart plumpes Betrugsmanöver hereinzufallen.

Was tun?

Und was macht man nun, wenn einem so eine Mail ins Postfach plumpst? Nun, ganz einfach: Gar nichts. Löschen Sie die Mail und kümmern Sie sich nicht mehr darum.