»Not necessarily stoned«

Donnerstag, 28. Juni 2007, 19.57 Uhr

Patti Smith and Band in München.
27. Juni 2007, Georg-Elser-Hallen (ursprünglicher Veranstaltungsort: Tonhalle).

Zwei Stunden lang lauter Schraddelrock einer vierköpfigen Männerband mit freundlicher, ja, herzlicher älterer Frontfrau, mit Peace-&-Love-T-Shirt, die sich mitunter an den Bühnenrand stellte und lächelnd ins Publikum winkte. Die Georg-Elser-Halle war sehr gut gefüllt, wenn auch nicht ausverkauft, die Stimmung war entspannt, Patti Smith war sichtlich gut gelaunt, beeindruckend bei Stimme, ihre Musiker spielten lauten, präzisen Rock und legten einige knackig Soli hin. Nach rund zwei Stunden sah man in lauter glückliche Gesichter.

Gone Again, Summer Canibals, Rock ’n’ Roll Nigger, Are You Expierenced, White Rabbit, Gimme Shelter, Soul Kitchen, Pasttime Paradies, Changing of the Guards, natürlich Because the night is made for lovers, natürlich auch Gloria, – und mehr (und nicht in dieser Reihenfolge; eröffnet wurde, wenn ich mich da richtig erinnere mit Redondon Beach, dann kam Space Monkey).

Nach drei oder vier Songs unterbrach Patti Smith – die ihren Vornamen mit „a“ auspricht, also nicht Pätti sondern Patti – kurz das Konzert: „I’ll be back in minute“, sprach’s und und verschwand in den Bühnenhintergrund, wo man sie mit einem Handy telefonieren sah.

Die Band stand ein wenig irritiert auf der Bühne herum, man zupfte ein wenig an der Gitarre, als Patti Smith wieder nach vorne kam und freundlich lächelnd verkündete, ihre Tocher habe heute Geburtstag und es sei das erste Mal, dass sie an ihrem Geburtstag nicht dabei sei – und verschwand wieder in den Hintergrund. Das Publikum stimmte prompt ein kurzes Happy Birthday an, die Band dudelte weiter und landete zur eigener Überraschung (zumindest lachte der Schlagzeuger auf, als er merkte, was der Gitarrist da vor sich hinspielte und stieg ein) bei Birthday von den Beatles, das die Band kurz anspielte. Patti Smith kam wieder nach vorn gelaufen, hielt das Handy in die Höhe und man sang zusammen mit dem Publikum Happy Birthday für Patti Smith’s Tochter Jessie in New York. „That’s the most wonderful use of a cell phone“ entschied Patti Smith, die selbst kein Handy besitzt.

Als Einleitung zu White Rabbit erzählt Patti Smith eine skurrile Geschichte, wie sie mit dem Tourbus im verregneten München angekommen und in einem großen Hotel abgestiegen sei, in dem man sich leicht verirren könne (das sei ihr beim letzten München-Konzert vor zwei Jahren passiert, als sie für 45 Minuten im Labyrinth des linkten Flügels herumgeirrt sei). Anschließend sei sie im „Haus der Kunst“ gewesen – ein Silbenfall, der es ihr deutlich angetan hat, baute sie doch in verschiedenen Ansagen und Songtexten immer wieder „Munich – Haus der Kunst“ ein –, wo sie sich erneut verlaufen und sich gefragt habe, ob München am Ende die Stadt der Labyrinthe sei. Am Telefon meldete sich plöztlich The Mad Hatter, der sie zu einer Teaparty einladen wollte, eine Christus-Figur habe sich in ein weißes Kaninchen verwandelt, das ihr zwei Pillen angeboten habe – und weiter ging’s mit „One pill makes you larger / And one pill makes you small / And the ones that mother gives you / Don’t do anything at all / Go ask Alice / When she’s ten feet tall“.


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Das scheint ja ’ne gute Party gewesen zu sein. Ich habe seinerzeit, als Mitorganisator eines Open-Airs, Alvin Lee hinter der Bühne verschwinden sehen. Der Drummer spielte so lange ein Solo, bis der „schnellster Bluesgittarist der Welt“ leicht angesäuselt wieder auf der Bühne auftauchte und seinem Namen aller Ehre machte.

noribori schrieb am 30. Juni 2007, um 19.52 Uhr

Kann man mit einem Mitschnitt des Konzerts auf Bayern 2 rechnen?