Now you see me – now you don’t

Donnerstag, 3. März 2005, 15.56 Uhr

Was haben Wagners Rheingold, Harry Potter und Star Trek gemeinsam? Richtig, in allen drei Geschichten geht es (unter anderem) darum, dass man sich unsichtbar machen kann. Bei Wagner und Harry Potter sorgt Magie dafür, bei Star Trek ist es eine Sache mirakulöser Technik. Doch wie hieß es immer zu Beginn der legendären Serie Raumpatrouille:

Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen schon Wirklichkeit sein – hier ist ein Märchen von übermorgen.

Na ja, ganz so weit sind wir noch nicht, aber hier ist zumindest schon mal der erste theoretische Entwurf einer Methode, Dinge unsichtbar werden zu lassen.

Die beiden amerikanischen Physiker Andrea Alu und Nader Engheta von der Universität von Pennsylvania haben sich nämlich überlegt, warum wir überhaupt Dinge sehen – und nicht durch sie hindurch. Die Antwort ist einfach: Wir sehen Gegenstände, weil sich das Licht an ihrer Oberfläche bricht und reflektiert wird. Wenn es also nun gelingt, diese Reflektion zu unterbinden, müsste ein Gegenstand praktisch unsichtbar werden. Die beiden Forscher haben dafür das Konzept einer „Plasmonschicht“ entwickelt, die genau das bewirken können soll. Dabei werden die Elektronen an der Oberfläche in kollektive, gleichförmige Schwingen versetzt. Stimmen diese Schwingungen mit denen der auftreffenden Lichtwellen überein, dann würde, so die Theorie, das Licht nicht mehr gestreut und der Gegenstand unsichtbar.

Das klingt natürlich zu phantastisch, um wahr zu sein und es gibt auch jede Menge Einschränkungen. So funktioniert dieses Konzept auch in der Theorie nur mit mikroskopisch kleinen Gegenständen und nur unter ganz bestimmten Lichtverhältnisse. Es könnte etwa sein, dass ein Gegenstand bei Tageslicht unsichtbar ist, bei Kunstlicht aber wieder sichtbar würde.

Doch müßige Phantastereien sind die Überlegungen der beiden Physiker dennoch nicht. Wenn es schon nicht gelingt, Dinge unsichtbar werden zu lassen, so ist es doch denkbar, dank Plasmonpaste besonders reflexionsarme und blendfreie Oberflächen zu erzeugen oder die Auflösung von Mikroskopen zu verbessern.

Wenn Sie sich also das nächste Mal über das unrealistische Zeug bei Star Trek & Co. mokieren möchten, denken Sie daran, dass am Ende vielleicht doch nichts so phantastisch ist, dass es nicht doch als Anregung für durchaus nützliche Dinge dienen kann. Ich jedenfalls bin jetzt mal gespannt, wann die ersten Gegenstände „gebeamt“ werden.


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