Offenbar

Sonntag, 25. März 2007, 19.49 Uhr

Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle kurz erläutert, warum die Spekulationen, dass Harry Potter im siebten Band sterben könnte, genretechnisch sinnlos sind und dass The boy who lived von seiner Schöpferin am Ende nicht hingerichtet werden wird.

Jetzt soll, so meldet der Daily Star, durchgesickert sein, dass Rowling in der Tat die Genreregeln achtet und Harry – und damit den Leser – am Ende aus der magischen in die wirkliche Welt entlässt. Er wird das Böse besiegen, dabei aber seine Zauberkräfte einbüßen, womit die magische Welt endgültig als Pubertäts-Metapher lesbar wird und Harry Potter am Ende seiner Entwicklung gereift in die reale Welt hinaustritt.

Dazu wirft Google News jede Menge Treffer aus, die ich mir hier erspare. Aber die völlig vertrotteltete Meldung bei RP online sei mit ihrer verblüffenden Überschrift doch zitiert:

Autorin ändert offenbar Pläne: Harry Potter soll weiterleben

Welche Pläne, so fragt man sich verwundert, soll Rowling da „offenbar“ geändert haben? Dabei kann sich der Autor dieser Meldung noch nicht einmal auf Unwissenheit hinausreden, schreibt er doch selbst, „bisher“ sei

darüber spekuliert worden, dass der siebte wohl auch gleichzeitig der letzte Band über Potter werden würde, in dem der Held letztlich auch stirbt.

Hätte der Autor gelesen, was er geschrieben hat, wäre ihm ja vielleicht aufgefallen, dass die Pläne, die die Autorin angeblich „offenbar“ geändert hat, ihr lediglich hochspekulativ untergeschoben wurden. Gänzlich unspekulativ, sondern von Anfang an erklärte Absicht der Autorin, die ihre Pläne offenbar nicht geändert hat, ist dagegen, dass der siebteder letzte Band über Potter werden wird.

Dieser siebte Band soll laut RP online übrigens Harry Potter and the Deathly Hollows heißen, was sich ungefähr mit Harry Potter und die tödlichen Talmulden übersetzen ließe.

Glücklicherweise ist es nicht so, dass Rowling beim Schreiben ihrer Bücher auf die Spekulationen der gelangweilter Journalisten hört, sondern 0ffenbar einfach weiterhin unverändert ihrem Plan folgt, den sie vor der Niederschrift von Band eins entworfen hat, und sich die Leser auf Harry Potter and the Deathly Hallows freuen können.