Offene Datenformate – jetzt!

Samstag, 2. August 2003, 14.01 Uhr

Meine Daten gehören mir. Dachte ich. Bis ich vor einiger Zeit den Mailer wechselte und vor der Aufgabe stand, meine elektronische Post – deren Anzahl im Laufe der Zeit eine deutlich fünfstellige Zahl erreicht hat – von dem einen ins andere Programm zu bekommen. Das sollte eigentlich kein Problem sein, schließlich liegt Mail als reiner Text vor, ein Programmwechsel müsste also in kürzester Zeit zu erledigen sein. Doch ich hatte die Rechnung ohne den Fluch der proprietären Standards gemacht. Mein altes Mailprogramm speicherte Mails unsinnigerweise in einem eigenen Format, im Gegenzug konnte das neue Programm die Daten des alten nur sehr fehlerhaft importieren. So wurde eine einfache Sache wie der Wechsel des E-Mail-Programms zu einer langwierigen, fehlerhaften und frustrierenden Angelegenheit. Nun ist E-Mail noch ein recht einfacher Fall, doch was wie eine ärgerliche Lappalie des digitalen Alltags wirkt, ist in Wahrheit die Spitze eines Eisbergs und alles anders als harmlos. Denn was für Mail gilt, gilt auch für alle anderen Daten: Der Einsatz undokumentierter Formate erzeugt gefährliche Abhängigkeiten und verleiht den Herstellern unterm Strich die Macht, zu bestimmen, wer auf Daten zugreifen darf – und wer nicht. Schließlich kann man das, was man via Internet aktiviert auch wieder deaktivieren und so den Anwender von seinen eigenen Daten aussperren. Dagegen hilft nur eins: Der Einsatz offener, dokumentierter Datenformate: Jetzt.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 8/2003


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