Offene Formate à la Microsoft

Dienstag, 9. August 2005, 20.22 Uhr

Kürzlich gab Microsoft bekannt, man werde für das kommende Office 12 als Standardformat eine offene XML-Variante benutzen. Diente das proprietäre Dateiformat früher als Bollwerk zur Verteidigung der Marktanteile, feiert Microsoft also nun den Tag der offenen Tür, will alle Format- Spezifikationen offen legen und das Format gar lizenzfrei unters Volk bringen. Natürlich hätte man, wie Open Office, auch gleich zum neuen Standard »Open Document Format for Office Applications« greifen können, doch ganz so offen möchte man es in Redmond nun auch wieder nicht haben. Der überraschende Schritt wird offiziell mit einem verbesserten Workflow kreuz und quer über alle Applikationen begründet, inoffiziell wird wohl eher der bedrohliche Erfolg der Open-Source-Programme für die Flucht nach vorn gesorgt haben. Warum, so die subliminale Botschaft, sollte man zu Open Office & Co. wechseln, wenn das neue MS Office das doch auch alles kann? Skeptiker sehen in der Ankündigung denn auch weniger ein Umdenken in Redmond, als vielmehr ein typisches Verwirr-Manöver und den Versuch, den Open-Source-Markt unter Microsoft-Lizenz zu bringen. Doch das mag sein, wie es will, es kann einem letztlich egal sein. Office 12 wird nicht vor Ende 2006 erscheinen, man hat mithin viel Zeit, unbeschadet aller Ankündigungen und Nebelkerzen in aller Ruhe die jetzt bereits vorhandenen Office-Alternativen auszuprobieren. Und wer weiß? Vielleicht wird das Dateiformat von Office 12 am Ende doch nicht ganz so offen sein wie gedacht. Es wäre nicht das erste Mal, dass Microsoft Ankündigungen im Laufe der Zeit einfach vergisst.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 8 / 2005


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