Patentierte Idiotie

Dienstag, 11. November 2003, 14.02 Uhr

Ende letzten Jahres wies ich an dieser Stelle auf den Rechtsstreit Eolas vs. Microsoft hin. Die winzige Firma besitzt ein Patent auf die Idee, in einem Browser multimediale Inhalte automatisch ausführen zu lassen. Dergleichen nichtsnutzige Banalitäten kann man nämlich patentieren lassen, zumindest in den USA. Damals sah es so aus, als wolle Eolas nicht einfach nur Geld, sondern in einem Akt ausgleichender Ungerechtigkeit den monopolistischen Moloch Microsoft ein wenig ins Stolpern bringen, ohne die anderen Netzteilnehmer zu behelligen. Doch inzwischen gibt es ein erstes Urteil, das die Sache erheblich weniger sympathisch erscheinen lässt. Microsoft soll, so will es ein Geschworenengericht in Chicago, satte 520 Millionen US-Dollar an Eolas zahlen. Wohlgemerkt: Nicht, weil der Konzern essentiellen Code geklaut hätte, sondern nur, weil Eolas ein unsinniges Patent auf eine Allerweltsidee besitzt. Und da hört der Spaß dann auf. Natürlich sei Eolas das Geld gegönnt und natürlich bedroht der Patenstreit nicht, wie manche Kommentatoren behaupten, die Webstandards (das Netz kann auf den automatisch startenden Unfug problemlos verzichten): Aber so geht das natürlich auch nicht. Da stimmt die Erkenntnis tröstlich, dass nichts so schlecht ist, dass es nicht noch als schlechtes Beispiel taugt. Und so zeigt der Fall Eolas vs. Microsoft, welche absurden Blüten Softwarepatente treiben können: Möge er den zuständigen EU-Stellen, die derzeit über die Einführung derart aberwitziger Regelungen brüten, als warnendes Menetekel an der Wand erscheinen.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 11/2003