Pepys

Samstag, 28. August 2010, 16.57 Uhr

Am 25. August begann 2001 mit der Auslieferung der Pepys-Ausgabe, pünktlich am 26. August traf mein Exemplar ein. Die Ausgabe besteht aus neun Bänden plus einem Materialienband, dem „Samuel Pepys Companion“, der neben einer Chronik und einem Personenverzeichnis verschiedene Essays und Erläuterungen bietet. Die Ausgabe ist sehr schön geworden, die Bände sind gut gebunden (Fadenheftung), gut gesetzt, auf gutem Papier gedruckt, mit Lesebändchen und schmucken Schutzumschlägen versehen (der Companion ist ein Broschurbändchen).

Pepys, Pepys, Pepys und noch mehr Pepys.

Vorerst habe ich nur ein wenig in den Tagebüchern geblättert und nähere mich dem Mammutwerk über den Companion. Hier ist neben dem großen Essay von Robert Louis Stevenson vor allem Heiko Arntz’ Aufsatz „Tagebuch und Wahrheit oder Was heißt hier Realismus?“ aufschlussreich.

Bislang ging ich naiv davon aus, Pepys habe ein normales Tagebuch geschrieben: am Ende des Tages setzt man sich hin, notiert die Tagesereignisse und fertig. Nichts könnte falscher sein.

Arntz zeigt an vielen Beispielen, dass „Pepys seine Tagesberichte nach Kriterien der Erzählbarkeit arrangiert“ und damit ein Vorläufer des realistischen Erzählens wird. Dabei hat Pepys auch nicht am Ende eines jeden Tages etwas geschrieben, sondern immer wieder die Ereignisse mehrerer Tage nachgetragen. Interessanterweise hat er die nachgetragenen Einträge so geschrieben, als seien sie an den jeweiligen Tagen entstanden. So kann er an an einem Tag von Plänen und Absichten schreiben und sich hoffnungsfroh zu Bett begeben, obwohl er zum Zeitpunkt der Niederschrift des Eintrags bereits weiß, wie die Sache ausging.

Die Ausgabe wird exklusiv über 2001 verkauft, kostet 169,90 Euro und ist jeden Cent wert. Der erste Ansturm scheint die Lagerbestände bereits erschöpft zu habe und zu Lieferengpässen zu führen:

Im Augenblick nicht verfügbar. Wir bemühen uns, den Artikel wiederzubekommen. Voraussichtlich lieferbar in den nächsten 7-12 Tagen.

Wer sich über Pepys (und diese Ausgabe) informieren will, der sei auf die schöne Webseite von Haffmans & Tolkemitt verwiesen und höre sich dort unter „Pressestimmen“ den 13minütigen Radiobeitrag von WDR 5 an.


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Ich bin ja hin und her gerissen, wenn ich die schmucken Bändchen so sehe … gar nicht wegen des Preises, sondern weil ich nicht weiß, wo ich die Zeit hernehmen soll, das alles auch noch zu lesen, ohne mir einen dieser „time-turner“ à la Hermione anzuschaffen. 😉 Frage: heißt „gut gebunden“ Fadenheftung? Das ist heutzutage ja leider auch bei teuren Hardcovern nicht mehr selbstverständlich.

„heißt “gut gebunden” Fadenheftung?“ — Heißt es. Gleich mal korrigieren.

Friedrich Adalim schrieb am 4. September 2010, um 9.05 Uhr

Marginale Anmerkungen:
a)
Es ist traurig, dass Jörg Drews das Erscheinen der Tagebücher nicht mehr erlebt hat. Er hat sich in irgendeinem RABEN über das damals noch als Gerücht gehandelte Projekt sehr vorgefreut (so to speak)
– übrigens wurde dort auch die Gesamtausgabe der Goncourt-Tagebücher bei Haffmans angekündigt. Man wird ja weiterträumen dürfen…
b)
Obwohl, ein pathologischer Fan von Apple-Produkten und ähnlichem Krimskrams (bis zur kleinkriminellen Beschaffungskriminalität), auch nix gegen e-books habe, bin ich wieder mal zur Einsicht gekommen, dass schön und sorgfältig gemachte Bücher ein unübertreffliches Genuss-Ereignis sind…