Pfeifen im Dunkeln

Samstag, 1. Juli 2006, 20.58 Uhr

Vista scheint nie fertig zu werden, MSN Search verliert kontinuierlich Marktanteile, Open Source-Software findet immer mehr Anhänger, Apple kann jetzt auch Windows und das Hardwaregeschäft mit der Xbox ist derzeit eher ein Millionengrab als eine Geldmaschine: Um Microsoft wird es allmählich einsam und dunkel. Da übt sich Steve Ballmer schon mal im Pfeifen. »Bei tragbaren Geräten«, so prophezeite er der Welt im Interview, »wird sich in den nächsten Jahren noch sehr viel tun. Wer will schon auf Dauer verschiedene Apparate zum Musikhören, Spielen, Fotografieren oder Kommunizieren herumtragen. Ein kleines, integriertes Gerät wird viele verschiedene Funktionen beherrschen. Wir werden bei der Entwicklung ganz sicher nicht an der Außenlinie stehen.« Nice try, Mr. Ballmer. Aber leider völlig daneben. Denn der iPod, gegen den dieses Pfeifkonzert sich richtet, ist nicht so phänomenal erfolgreich, weil er so üppig viele Funktionen zu bieten hätte, sondern ganz im Gegenteil: weil er sich auf eine einzige Aufgabe konzentriert, nämlich die Wiedergabe digitaler Mediendateien. Und weil er diese Aufgabe zielgruppengerecht mit hohem Lifestyle-Faktor bravourös erledigt. Ein digitaler Hans Dampf in allen Gassen, von dem Ballmer raunt, wird dagegen zwar alles mögliche können, aber nichts richtig machen. Dergleichen ist so aufregend wie Trockenfleisch und so cool wie ein toter Fisch. Dabei handelt es sich um genau die Art von unbrauchbarem Geraffel, das ahnungslose Eltern ihren genervten Sprößlingen schenken. Steve Ballmers Kinder können einem leid tun.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 7/2006


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