Pomp & Circumstances

Donnerstag, 13. September 2007, 20.52 Uhr

Es gehört zu den etwas genierlichen Dingen, die man eher verschämt zugibt, aber es hilft nichts – ich bin von Edward Elgars Pomp & Circumstances restlos hingerissen.

Eine derart strahlend triumphierende Musik, die (zumindest in den ersten beiden Märschen) mit massiven Einsatz der Blechbläser und Schlagzeuger völlig ungebrochen das British Empire verherrlicht und mit einem unglaublichen Selbstbewusstsein daher kommt, müsste eigentlich ganz und gar schrecklich klingen. Aber das tut sie seltsamerweise nicht, im Gegenteil.

In der Einspielung mit Georg Solti und dem London Philharmonic Orchestra (die mir mal zugelaufen ist) entfalten diese Orchestermärsche – zu denen man tanzen, aber nimmermehr marschieren kann – statt dessen eine Verführungskraft, vor der kritisches Hören versagt. Also zumindest meines. Dass man selbst diese Musik hinrichten kann, beweist übrigens das »Heeresmusikkorps 9«. Hier genügen bereits die 30 Sekunden Probehören im iTunes Store, damit die ins blechbläserisch Bräsige breitgetretene Musik nur noch Übelkeit auslöst.

Wer jetzt glaubt, das läge an der Blechbläserfassung, der sollte sich auf der Stelle den wunderbaren Film Brassed Off ansehen und er wird am Schluss eine Fassung des ersten Marsches hören, die ihm mit ihrem sehnsüchtigen Glücksversprechen das Herz öffnen wird. So er eines hat.


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Genau! Endlich einmal jemand, der das unvoreingenommen erkennt! Diese Märsche müssen mit Verve vorgetragen werden, anstatt – wie in kontinentalen Interpretationen leider betrübt-üblich – als pomöse akustische Dampfwalze daherrollen. Gerade der augenzwinkende Titel der Märsche sollte erkennen lassen, dass es Elgar mit dem das Empire feiernden „Pomp“ denn doch nicht so ganz ernst gemeint haben könnte. (Man lese seine Briefe.) Er selbst war ja eine durchaus gebrochene, von Krisen und Selbstzweifeln heimgesuchte Existenz, ein „Selfmade“ Komponist ohne akademische Ausbildung, der sich gegen das Establishment jener Zeit aus bescheidensten persönlichen Umständen zum (wie auch immer auf Mißverständnissen seiner Zeitgenossen beruhenden) Erfolg emporgearbeitet hat. Die „offiziösen“ seiner Werke haben daher auch so gar nichts mit der Essenz dieses Mannes zu tun, der enige der mich erschütterndsten Werke der Musikgeschichte geschrieben hat. Die 2te Symphonie etwa ist ein Abgesang auf ein ganzes Zeitalter und vielleicht die letzte ganz große Schöpfung des Idealismus.

Elgars 2. also. Danke für den Tipp 😎 Und was die pompösen Umständen angeht – da hab ich mir gestern noch mal die Version von Barry Tuckwell mit dem Lond. Symph. Orch. etwas genauer angehört. Abgesehen davon, dass die das in einem schon sehr flottem Tempo spielen ist mir zum ersten Mal wirklich aufgefallen, wie ganz erstaunlich komplex diese nur scheinbar simple Hurrah!-Musik ist.

Bitte, bitte, stets zu Diensten! 🙂 Und wenn ich maßgeblich raten darf, würde ich die 2te mit dem Philharmonia Orchestra unter Sinopoli empfehlen (obwohl das immer Geschmackssache sein mag; und die schöne 1. ist also Bonos auch noch dabei):

http://www.amazon.de/Sinfonien-Circumstances-Giuseppe-Philharmonia-Orchestra/dp/B000024ZB1/ref=sr_1_7/302-2314727-2019213?ie=UTF8&s=music&qid=1189843988&sr=1-7

Glücksversprechen – ein geringes Glück… Und was sind Glücksversprechen schon wert… Man denke an Mahler IX.
Eine bessere Version von „Pomp and Circumstance No. 1“ ist hier:
http://www.youtube.com/watch?v=uR5xzejrYvo
(Sir Malcolm Sargent)