Qual & Gequalle

Samstag, 6. Oktober 2007, 0.37 Uhr

cover qual und gequaleDer Titel des von Klaus Bittermann herausgegebenen Büchleins klingt vielverprechend: Literatur als Qual und Gequalle. Über den Kulturbetriebsintriganten Günter Grass. Das Titelbild (ein Ausschnitt aus einer Karikatur von Greser & Lenz) ist allerliebst: Günter Grass in Uniform und geschultertem Gewehr marschiert allein in einen Wald, mit etwas wackligem Stechschritt und singt dazu: »Hänschen klein, ging allein, in die weite Welt hinein…«

Leider hält der Band das Versprechen von Titel & Titelbild nicht ein: 19 Autoren und Zeichner drängeln sich auf 124 Seiten (wobei der Band die 100-Seiten-Grenze trotzdem nur mit Mühen nimmt, da wird schon arg viel Platz geschunden) – und haben letztlich nichts zu sagen. Und neues natürlich schon gleich gar nicht, im Gegenteil. Es fehlt zwar ein Drucknachweis der Beiträge, aber einige davon kamen mir doch sehr bekannt vor: Die Grass-Einlassungen von Henschel und Broder etwa habe ich schon an anderer Stelle gelesen.

Die verschiedenen Beiträge lassen sich ungefähr so zusammenfassen: Grass ist ein verschurbelter Pfeifenkopf, ein eitler Nichtskönner und eine selbstgerechte Krawallnudel des Betriebs. Das ist fraglos richtig, allein: Wenn man das einmal liest, dann reicht das auch. Man muss es durchaus nicht dreimal sagen und die Lektüre der gut 20 Seiten Einleitung von Klaus Bittermann genügt, sie loten das Thema des Bandes letztlich hinreichend aus.

Warum der Band so enttäuschend ist, verrät Herausgeber Bittermann im Vorwort, wo er einräumt, er sei beim Autorenanbaggern für den Band »auf eine Mauer des Widerwillens« gestoßen und es habe Ausreden gehagelt.

Das ist vielleicht das härteste Urteil über Günter Grass: noch nicht einmal einen geistreich-lebendiges Polemiken-Bändchen kann man über diesen staublangweiligen Schwafler schreiben.

Update 19.10, 21.35 Uhr: Eine leicht überarbeitete Version dieses Texte findet sich jetzt bei literaturkritik.de.


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