Rechthaber

Freitag, 13. Juni 2008, 2.06 Uhr

Um 1830/1831 skizzierte Arthur Schopenhauer seine Eristische Dialektik, die der Philosoph so definiert:

Eristische Dialektik ist die Kunst zu disputieren, und zwar so zu disputieren, daß man Recht behält, also per fas et nefas.

Also: Rechthaben um jeden Preis. Schopenhauer hat seine Skizze, die im dritten Band des Handschriftlichen Nachlasses die Seiten 666 [!] bis 695 füllt, nie zu einer fertigen Publikation überarbeitet. Der Text scheint zwar im Großen und Ganzen abgeschlossen, ist aber durchsetzt mit Notizen, Anmerkungen, Zitatnachweisen und ähnlichen Werkstattspuren.

Das Fragment wurde 1983 von Gerd Haffmans als Eristische Dialektik oder Die Kunst, Recht zu behalten in 38 Kunstgriffen dargestellt in einer hübschen Kleinokatav-Ausgabe herausgegeben. Seither hat der Text eine veritable Karriere hinter sich, einen Eintrag in der Wikipedia, ist im Internet zu finden und sollte als einigermaßen bekannt voraus gesetzt werden. Also zumindest bei Leuten, die sich hierzulande mit Literatur & Kultur beschäftigen.

Es sei denn, man heißt Reinhard Mohr und schreibt für den Spiegel. Dann nämlich rezensiert man im gewohnt quälenden Tonfall amüsierter Lockerheit  vor sich hin, ohne auch nur einmal zu bemerken, dass der Autor Hannes Stein mit seinem neuesten Buch Immer Recht haben! kaum mehr getan hat, als Schopenhauer abzuschreiben und auf 200 Seiten platt zu walzen.