Sprachverfallsverein

Freitag, 19. Januar 2007, 14.46 Uhr

Doris Akrap hat für die Jungle World Hans Dieter Schlosser befragt. Schlosser, so die Jungle World, »ist emeritierter Professor für deutsche Philologie und Gründer und Sprecher der ›Sprach­kritischen Aktion Unwort des Jahres‹«.

Und der sagt etwas, was man gar nicht oft genug sagen kann:

Das Interesse an deutscher Sprache hat deutlich zugenommen. Die Qualität des Gesprochenen scheint sich dadurch nicht verbessert zu haben.

Es gab zu jeder Zeit miese und fantastische Texte. Das miese Deutsch fällt heute mehr auf, weil insgesamt mehr geschrieben wird. Es ist schade, dass es so viele Jugendliche gibt, die sich sprachlich nicht ausdrücken können und sich dadurch Berufschancen verbauen. Aber die Leute scheitern nicht an der Sprach­inkompetenz, sondern daran, dass es zu wenig Arbeitsplätze gibt.

Mehr als die jugendliche Inkompetenz trägt der Verein Deutsche Sprache, der ursprünglich »Verein zur Rettung der deutschen Sprache« hieß, zum Sprachverfall bei. Er bringt bei der Übersetzung englischer Wörter ins Deutsche Ergebnisse hervor, die zum Totlachen sind. So soll der Laptop zum »Klapprechner« werden, das erinnert an die Formulierung »Jungfernzwinger« für das Wort Kloster. Brain­storming soll durch »Denkpause« ersetzt werden. Bei dieser Idee hatten sie wohl selbst eine Denkpause, aber kein Brainstorming.


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Keine Kommentare zu „Sprachverfallsverein“

Ein sehr komischer Verein!
Da benutzt man doch lieber englische Worte im Deutschen als dass man einen Klapprechner besitzt. Irgendwie ist diese Übersetzung grausam doof!

Anglizismenmuffel schrieb am 20. Januar 2007, um 23.17 Uhr

Hans Dieter Schlosser ist in der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) aktiv, die uns alljährlich (teils im Verbund mit dem Deutschen Sprachrat) so sinnige Aktionen wie die Suche nach dem Wort oder wahlweise dem Unwort des Jahres oder das Schönste deutsche Wort beschert hat. Einer sachlichen Auseinandersetzung mit der zunehmenden Ver(d)englischung unserer Sprache ist die GfdS immer wohlweislich immer aus dem Weg gegangen. So hat sie den Argumenten für Deutsch des Vereins Deutsche Sprache (VDS) http://www.vds-ev.de/denglisch/argumente/index.php nach meiner Meinung nichts entgegenzusetzen.

Die Einfallslosigkeit der staatlich bestallten Sprachhüter (GfdS) zum Anglizismenproblem hat nicht zuletzt dazu beigetragen, dass der mitgliederfinanzierte VDS mit ca 30 000 Mitglieder (die GfdS hat nach eigenen Angaben 2600) zur mit Abstand größten deutschen Sprachorganisation heranwachsen konnte und dass sich immer mehr bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens dem VDS angeschlossen haben – von Hape Kerkeling bis Bastian Sick http://www.vds-ev.de/verein/prominente-mitglieder.php

Achja, der Klapprechner. Vielleicht sollte der VDS ihn in Klapp-Computer umbenennen, Klapp-Handy wird ja auch allgemein akzeptiert.

Nun ja, Herr Schlosser scheint sich vom Verein deutsche Sprache, der übrigens früher „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache “ hieß und nicht „zur Rettung“, was Herr Schlosser falsch widergibt, zu wenig hofiert zu fühlen. Akademiker sind eitel.
Und der lustige Klapprechner ist weiter verbreitet, als es offenbar Herrn Schlosser recht ist. Im übrigen ist Klapprechner, ebenso wie die „Denkpause“ einer der Bezeichnungsvorschläge. Jedermann kann seine eigenen, besseren, Vorschläge einreichen. Kann, darf, muß alles in Englisch sein? Sind wir zu doof, eigene Begriffe zu finden? Ist einzig Englisch in der Lage, ein „Ding“ zu beschreiben?

Dieter Föhr schrieb am 22. Januar 2007, um 9.02 Uhr

Herrn Schlossers Einlassung zeigt, dass man lebenslang Sprachwissenschaft betreiben kann,und gleichwohl wenig von Sprache kapiert. Wie anders könnte er das engl.laptop für einen guten Fachbegriff halten, dagegen „Klapprechner“ für eine Lachnummer? Für engl.Ohren entspricht laptop „Schoßdeckel“,“Schoßdrauf“,“Auf`n Schoß“;und brainstorming ist so etwas wie „Gehirnbrausen“,“Gripsbrodeln“. Wie spielerisch,lustig und „unseriös“ gerade das Englische neue Bezeichnungen erfindet, scheint braven Sprachwissenschaftlern vom Schlage Schlosser gar nicht bewußt zu sein. Er würde sich sicher auf die Schenkel klopfen vor Lachen, wenn ihm jemand einen „Gockelschwanz“ statt eines Cocktail anböte. Ach, dass er doch merkte, wie peinlich solche humorlosen deutschen Anglo-Kotaus sind. Da ist der phantasievolle VDS(?) doch sympathischer als die sterile „Unwort-Klauberei“!

Ich hab‘ noch was: „Kleinweich“ für Microsoft, haha!

Dr. Hans-Joachim Grobe schrieb am 22. Januar 2007, um 20.37 Uhr

Der einfallsreiche Herr Schlosser sollte sich etwas intensiver mit dem VDS beschäftigen, denn es ist nicht dessen Hauptanliegen, Anglizismen einzudeutschen, sondern Bewußtsein für den Wert der deutschen Sprache zu heben und der verbreiteten Anglomanie entgegenzuwirken.

Was die zum Teil kuriosen Eindeutschungsversuche betrifft, so sollte Herr Schlosser den Leuten doch die Freude am Spiel mit der Sprache lassen. Nicht alles, was vorgeschlagen wird, findet Eingang in den deutschen Sprachschatz. Auch die Gebrüder Grimm waren nicht mit allen Vorschlägen erfolgreich. Aber besser, man setzt sich mit der Thematik auseinander als daß man in simple Anglizismen flüchtet, die überdies – siehe Wellness oder Handy – oft von den englischen Muttersprachlern gar nicht verstanden werden. – Wie wäre es denn, Herr Schlosser, wenn Sie sich mal aktiv an der Suche nach guten deutschen Wörtern beteiligen würden?

Es gibt in der Tat Bereiche, in denen Sprache ohne Anglizismen schwer vorstellbar ist. Es würde wohl niemand in der Betriebswirtschaft von einem „Indikator zur Beurteilung des Innenfinanzierungspotenzials eines Unternehmens“ sprechen, denn der Begriff Cash-Flow wird auch an der Uni gelehrt. Unsinnig allerdings ist m.E. die Sprachpanscherei bspws. in der Werbung. Wie der „Spiegel“ vor ein paar Monaten berichtete, tragen englische Reklamesprüche eher zur Verwirrung denn zur Identifizierung mit einem Produkt bei, ganz einfach deshalb, weil sie von den meisten deutschen Konsumenten nicht verstanden werden. So übersetzten bei einer Umfrage nicht wenige Verbraucher den von Fords Werbetextern ersonnenen Satz:“ Feel the difference“, mit: „Fühle das Differenzial“.