Satzspiegel

Freitag, 15. Dezember 2006, 0.28 Uhr

Als der Haffmans-Verlag 1982 startete, begann man mit einem Credo für handwerklich gute Bücher. Besonders eingeprägt hat sich mir seinerzeit die Betonung der Typographie und des Buchsatzes. Lesen, so hieß es in einer grundsatzähnlichen Erklärung von Gerd Haffmans, Lesen sei ein komplizierter und oftmals schwieriger Prozess, der durch typographische und setzerische Schlampereien nicht noch zusätzlich erschwert werden sollte. Oftmals breche man ein Buch ab und glaube, der Text sei zu anstrengend, dabei sei man nur einem schlechten Buchsatz aufgesessen.

Demnächst kann ich die Probe aufs Exempel machen. Während des Studiums habe ich zweimal versucht, Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften zu lesen. Beide Male habe ich nach ca. 150 Seiten das Handtuch geworfen und aufgegeben.

Gelesen habe ich die zweibändige Standard-Ausgabe des Romans aus dem Rowohlt-Verlag, die mir vor allem wegen ihrer enormen Seitenfüllung in Erinnerung geblieben ist:

Nun habe ich mir antiquarisch die 3+1-bändige Ausgabe des Romans gekauft, die 1975 im Volk-und-Welt-Verlag, Berlin DDR, herauskam. Die Ausgabe entspricht in Orthographie, Interpunktion und Textanordnung der Nachlassteile der kanonischen Rowohlt-Ausgabe – aber sie wartet mit einem ungleich besserem Satz auf:

Der Gelbstich kommt vom Licht, nicht von den Seiten. Nicht, dass der Satz nicht mehr zu verbessern wäre (die hässlichen Löcher nicht nur in der letzten Zeile sollten z.B. nicht sein) – aber er ist dem Rowohlt-Gewimmel immer noch haushoch überlegen. Handwerklich sind die Bände von der gewohnten Qualität der Klassiker-Ausgaben der DDR. Keine Meisterwerke, aber man kann damit leben. Und sie lesen.

Demnächst werde ich den Roman erneut beginnen. Und dieses Mal bin ich zuversichtlich, dass ich durchhalten werde. Sollte ich wider Erwarten erneut abbrechen, dann liegt’s jedenfalls nicht mehr am Satzspiegel.


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Keine Kommentare zu „Satzspiegel“

Hm, also mir kommt der Satz SEHR löchrig vor. Überall. Ich hasse kaum mehr als löchrigen Blocksatz. 8Ich musste mal einen text eines anderen Autors bei einer lesung aus einem auf Atari oder so gesetzten Literaturzeitschriftchen vorlesen. Der Horror. eventuell lässt sic das Lautlesen halbbekannter texte als Test für die Satzqualität benutzen…

Aber Satzbreite und Zeilenabstände sehen in er Tat gut aus. (Und: Ich bin am MoE auch gescheitert.)

[…] es zweimal versucht und bin zweimal so um Seite 150 gescheitert. Inzwischen habe ich mir eine etwas lesefreundlicher gesetzte Ausgabe zugelegt, zögere aber immer noch, es erneut zu […]