Schwierige Prognosen

Donnerstag, 26. Januar 2006, 17.21 Uhr

Vorhersagen und Prognosen sind bekanntlich eine heikle Angelegenheit. Doch nicht nur Prognosen, auch das Schreiben über sie ist nicht immer ganz einfach. Da heißt es zum Beispiel in einer Überschrift der Süddeutschen Zeitung vom 26. Januar auf S. 1, die

Regierung korrigier[e] Prognosen nach oben

Das ist wird im Fließtext dann folgendermaßen konkretisiert:

Nach Jahren mit pessimistischen Konjunkturaussichten hat die Bundesrgierung erstmals ihre Wachstumsprognose nach oben korrigiert

was ja vorerst nichts anderes bedeutet, als dass die Regierung die Lage – aus welchen Gründen auch immer – anders einschätzt als zuvor. Doch dann geht es so weiter:

und eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt in Aussicht gestellt.

Das kann nun aber nicht stimmen: Denn »in Aussicht stellen« kann man seriöserweise nur etwas, das man selbst entscheidend beeinflussen kann. Die Formulierung der SZ suggeriert, es stünde ganz im freien Belieben der Bundesregierung, ob sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt entspannt oder nicht.

In der gleichen Ausgabe findet sich auf der Seite 15 ein Bericht über den »Digital Lifestyle Day«, in dem als großer Pluspunkt der rezenten Web-2.0-Euphorie herausgestellt wird, dass man ja durch die harte Schule des Dotcom-Crashs gegangen und daher davor gefeit sei, denselben Fehler erneut zu begehen.

Klingt gut, würde sich der Autor durch ein fehl platziertes Wort nicht selbst dementieren. Dann nämlich, wenn er schreibt:

Eine auf der Veranstaltung vorgestellte Studie belegt, dasss sich etwa der Anteil von Informationstechnik und Telekommunikation am deutschen Bruttoinlandsprodukt bis 2015 auf rund zwölf Prozent verdoppeln wird.

Nur blöd, dass eine Studie zukünftige Verhältnisse nicht belegen, sondern bestenfalls prognostizieren kann.


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