—sie sinkt enfaerbt und matt auf einen Sessel—

Sonntag, 22. November 2009, 17.55 Uhr

Das Titelthema der aktuellen c’t lautet: „Das universelle Buch. Kindle & Co. im Test“. Das klingt für jeden vielversprechend, der sich für Ebooks interessiert (und dazu gehöre ich seit einer kleine Ewigkeit).

Auf den ersten Blick scheint das Titelthema die üblichen Qualitäten der c’t zu zeigen: umfangreiche Berichterstattung, Test, Grundlagen und ein Artikel zum Epub-Format. Doch beim zweiten Blick zeigen sich die Schwächen des technischen Tunnelblicks der c’t.

Für die c’t ist ein Ebook vor allem ein technisches Produkt, das nach technischen Kriterien untersucht wird. Man erfährt viel über Displaytechnik, Akkulaufzeiten, Dateiformate, Funktionsumfang, Pixeldichte und mehr. Aber dafür beschränken sich die Informationen zu den typografischen Fähigkeiten auf ein paar dürre Randbemerkungen, über KerningDurchschuss oder Fonts schweigt man sich dann gleich ganz aus. Kurz: Es fehlen genau die Informationen, die man als Leser bräuchte, um beurteilen zu können, ob man in einem Ebook so lesen kann wie in einem gedruckten Buch.

Das Desinteresse der c’t an der eigentlichen Frage, die an Kindle & Co zu stellen ist,  zeigt sich auch bei den Fotos, die wie so oft in der PC-Presse auch in diesem Fall praktisch nur illustrativen, keinen informativen Charakter haben. Schaut her, sagen die Fotos, so sieht das Gerät aus. Und wenn man Glück hat, hat der verantwortliche Redakteur noch rasch ein paar Texte geladen und ein wenig auf dem Display herumgekritzelt, damit das nicht gar so leer aussieht. Die Bildschirminhalte sind durch die Bank wahllos zusammengestoppelt, die handschriftlichen Notizen sinnfrei, die Bildschirmeinstellungen unsinnig.

Letztlich genügt ein Blick auf das Cover. Das nämlich zeigt den Amazon Kindle mit einem Ausschnitt aus Thomas Manns Tod in Venedig – im übelsten Blocksatz, schlechter Typographie und riesigen Löchern im Text. Auch die übrigen Fotos in Heft sind auch nicht dazu angetan, das Erschrecken über das Titelfoto einigermaßen zu mildern, im Gegenteil. Es wird nur noch schlimmer. Auf S. 134 sehen wir den Kindle mit einem Ausschnitt aus Kabale und Liebe:

Nicht nur Luise sinkt angesichts dieser Kostprobe entfaerbt auf einen Sessel, auch dem Leser wird hier schwummrig.

Es ist zu vermuten, dass die Fontgröße speziell für dieses Aufmacherfoto so absurd hoch eingestellt wurde (im Druck des Textes sind das übrigens gerade mal fünf Zeilen). Doch auch mit einer kleineren Fontgröße wären die eklatanten Mängel der Darstellung (wie etwa Löcher im Text, fehlende Umlaute, fehlende Markierung von Sprechern und Regieanweisungen, amerikanische Gedankenstriche) ja nicht aus der Welt.

Mögen Kindle & Co auch noch so viele Vorteile haben – so lange sie bei der entscheidenden Aufgabe, Text angenehm lesbar zu präsentieren, so offensichtlich scheitern, so lange bleibe zumindest ich beim gedruckten Buch.