Sozialgericht Bremen

Mittwoch, 1. März 2006, 20.59 Uhr

Wenn es draußen stürmt und schneit, Weihnachten vorbei und Neujahr nicht mehr weit ist, dann herrscht das, was man je nach Landstrich die »stade Zeit« oder »zwischen den Jahren« nennt. Allüberall herrscht Ruhe im Land, alles geht ein wenig langsamer und gedämpfter seinen Gang, in bundesdeutschen Behördenbüros macht sich dösige Ruhe und wohl auch ein wenig Langeweile breit. In solchen Stunden ist Google Dein Freund. Man füttert sich selbst mit den restlichen Weihnachtskeksen, Google mit seinem Namen und freut sich der vielen Nennungen. Vanity Surfing heißt dieses harmlose Vergnügen. Doch ein Mitarbeiter des Bremer Sozialgerichts wurde bei diesem Treiben jäh aus seiner zwischenjährlichen Lethargie gerissen, fand sich doch – potztausend! – bei der Suche nach seiner Behörde unter den ersten zehn Treffern eine private Webseite mit dem Titel »Sozialgericht Bremen«. Was macht ein wackerer Beamter in so einem Fall? Genau, er setzt ein Schreiben auf, fabuliert von »Namensanmaßung«, von »Verletzung schutzwürdiger Interessen«, fordert die sofortige Einstellung der »Homepage« und droht mit gerichtlichen Schritten. Und so bekam der »Shopblogger« Björn Harste aus Bremen am letzten Arbeitstag des Jahres ein entsprechend dummes Schreiben. Denn Harste hatte im Mai einen kurzen Blogeintrag mit dem Titel »Sozialgericht Bremen« versehen, der es, rätselhafte Suchmaschinen, unter die ersten zehn Google-Treffer schaffte. Angesichtes des grotesken Missverhältnisses von bloggigem Anlass und behördlicher Reaktion scheint die Frage angezeigt, was um alles in der Welt die Bremer Beamten in ihre Weihnachtskekse tun.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 3/2006


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