Spamschutz made by AOL

Dienstag, 9. Dezember 2003, 14.08 Uhr

»Mit AOL wird alles besser« tönt der weltweit größte Online-Dienst neuerdings und zeigt in seinen TV- Spots AOL-User, die sich exakt so gebärden, wie es das gängige AOL-Klischee will. Da freut sich der eine über Pornomails von »Tanja«, wundert sich aber, warum bei denen immer sein Rechner abraucht. Und der andere grübelt darüber nach, woher diese blöden Spammer seine Mailadresse haben. Nun könnte man den beiden ja erklären, wie das mit dem Internet funktioniert, wo Spam und Viren herkommen und wie man sich dagegen schützt. Doch das klingt nach Anstrengung und wenn AOL eines nicht will, dann, dass sich seine Kunden anstrengen. Also verspricht man ihnen, sie könnten so ahnungslos weiter wurschteln wie bisher, AOL passe schon auf. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt das so beworbene AOL 8.0. Da gibt es neuerdings eine »AOL benachrichtigen«-Schaltfläche. Ihr Effekt: Die E-Mail verschwindet ohne Rückfrage aus dem Posteingang. Spurlos und ohne sichtbare Konsequenzen (man darf gespannt sein, wie viele Mails versehentlich gelöscht und als vermeintlicher Spam gemeldet werden). AOL verschickt aufgrund solcher, allen Anschein nach ungeprüften Benachrichtigungen, sinnfreie Beschwerdemails, mit denen der Empfänger nichts, aber auch wirklich rein gar nicht anfangen kann und führt ansonsten interne Strichlisten. Wer zu viele Spampunkte sammelt, wird von AOL in Zukunft ignoriert. Kurz: Der Kunde wird dumm gehalten und das System treibt auf brachialste Art allerlei Allotria. Und dank solcher zweckfreien Aktionen wird also nun alles besser. Wer’s glaubt.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 12/2003


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