Trickbetrüger bei E-Bay

Mittwoch, 4. Mai 2005, 16.17 Uhr

Sind Sie schon mal bei E-Bay übers Ohr gehauen worden? Ich schon. Ich hatte eine DVD-Lieferung ersteigert, die ich zwar bezahlt, aber nie bekommen habe. Das Ganze endete in einer kleinen Entschädigungszahlung von E-Bay und mehreren Anzeigen (ich war nicht der Einzige, der da mit gefälschten Angeboten übertölpelt wurde). Im Nachhinein muss ich mir wohl ein wenig ein „selber schuld“ vorhalten, ich hätte mir halt das Verkäufer-Profil besser ansehen sollen, dann wäre mir die Erfahrung wohl erspart geblieben.

Immerhin, in meinem Fall handelte es sich um glasklaren Betrug, da war die Sachlage eindeutig. Aber der Riesenmarktplatz E-Bay lockt nicht nur simple Betrüger, die etwas verkaufen wollen, das sie gar nicht besitzen, sondern fördert auch den Einfallsreichtum. Wenn es darum geht, seinen Mitmenschen hoch- bzw. auszunehmen, scheinen manche Zeitgenossen erst so richtig kreativ zu werden. Da geht es dann nicht mehr um Betrug, sondern darum, einerseits abzuzocken, das aber andererseits so zu tun, dass man dafür nicht belangt werden kann. Geht nicht, meinen Sie? Und ob das geht.

Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich mit einer Kollegin über das Thema und sie erzählte mir einige Fälle aus Ihrer Recherche.

Verpackung statt der Ware

Da hat zum Beispiel ein Anbieter scheinbar eine nagelneuen Digitalkamera versteigert und ist sie auch für einen guten Preis los geworden. Die Produktvorstellung sah überzeugend aus, aber der Käufer, der schon glaubte, er habe ein Schnäppchen gemacht, überlas, dass nicht die Kamera, sondern die Verpackung verkauft wurde.

Das Teil und das Ganze

Ein komplettes, vielteiliges Service wurde angeboten und versteigert. Der erfolgreiche Bieter wollte sich schon die Hände reiben, als er feststellen musste, dass zwar das komplette Service abgebildet war, aber ganz klein dabei stand, dass die Versteigerung nur für ein Teil des Services gelte. Er hatte eine Tasse zum Preis eines kompletten Services gekauft.

Die Hose von hinten

Angeboten wurde eine gut erhaltene Kinder-Jeans, der beschreibende Text verschwieg nicht, dass die Hose getragen sei und die üblichen Gebrauchsspuren zeige. Auf den Fotos war die Hose gut zu erkennen und sah tadellos aus. Nach Lieferung der Ware war dem Käufer allerdings klar, warum die Fotos die Hose nur von hinten zeigte: vorn hatte sie große Löcher an den Knien. Je nun – übliche Gebrauchsspuren halt.

Die Fußball-WM bei E-Bay

Die dreistesten Abzocker-Fälle lernt man allerdings erst jetzt im Umfeld der Fußball-WM kennen. Dass bei E-Bay WM-Tickets versteigert werden, war ja vorauszusehen und sollte einen nicht wirklich überraschen. Verblüffend aber finde ich, mit welchen Tricks man da durchkommt. So hat, schreibt heute die „Süddeutsche Zeitung“, jemand stolze 558,00 Euro für zwei Endspiel-Tickets für das Endspiel gezahlt, glaubte er zumindest. In Wahrheit hat er aber nichts als heiße Luft gekauft, nämlich die bloße Option auf das Ticket, der Verkäufer hat nämlich nur bei Ticket-Ausschreibung teil genommen: „Sie erhalten die Karten, wenn ich bei einer der nächsten Verkaufsphasen gezogen werde.“ Das ist so dreist, dass man es fast schon wieder bewundern muss.